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Benzin: Spritpreise sinken immer weiter

Spritpreise im Tiefflug : Ein-Euro-Marke schon in Sicht

Der Ölpreis sinkt, das Tanken macht den Deutschen so viel Freude wie schon lange nicht mehr. 1,09 für einen Liter Diesel, Super ist schon unter 1,20 Euro zu haben. Die Preise sind so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr. Gut möglich, dass das noch nicht das Ende war.

Die Spritpreise sorgen kurz vor Weihnachten für Festtagsstimmung. Dank des niedrigen Ölpreises auf dem Weltmarkt mussten Deutschlands Autofahrer 2014 rund fünf Milliarden Euro weniger fürs Tanken zahlen als im Vorjahr.

Die Preise für Benzin und Diesel seien so niedrig wie seit mehr als vier Jahren nicht, rechnet der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) vor. Die Tankstellen hätten die gesunkenen Einkaufskosten "voll an die Verbraucher weitergegeben", erklärt Hauptgeschäftsführer Klaus Picard und erklärt das als Folge des harten Wettbewerbs.

Seit dem Höchststand im Juni fielen die Preise für Benzin den Angaben zufolge um 24 Cent. Im Bundesdurchschnitt liege er derzeit bei unter 1,30 Euro je Liter. Der Dieselpreis ist demnach unter 1,20 Euro pro Liter gefallen, ein Stand wie zuletzt im März 2010.

Die Preise in NRW sind in viele Orten noch tiefer. Die Seite benzinpreis.de gibt den für einen Liter Diesel in Düsseldorf ab 1,09 Euro an, einen Liter E10 ab 1,18 Euro. Dabei ist Düsseldorf noch nicht einmal der günstige Ort zum Tanken. Eine Spritpreiskarte des Anbieters zeigt, dass es etwa in Rheurdt oder Rosendahl im Kreis Coesfeld noch tiefer nach unten geht.

Der Trend dürfte zunächst anhalten. "Wir werden die niedrigen Preise an den Tankstellen wohl noch eine Weile behalten", zitiert die "Welt" den Chefredakteur des Energie-Informationsdienstes, Rainer Wiek. Hinweise auf eine Trendwende bei den Rohstoffpreisen kann er nicht erkennen.

Der Markt gilt derzeit als extrem anfällig für Schwankungen. Analysten von Morgan Stanley halten selbst einen Absturz auf einen Ölpreis von 43 Dollar je Barrel für möglich. Zum Vergleich: Heute kostet ein Fass um die 60 Dollar. Geht es tatsächlich weiter bergab und schlagen die gefallenen Kosten voll auf den Benzinpreis durch, könnte es an der Zapfsäule noch günstiger werden als schon heute.

Das ist allerdings nur eine Möglichkeit unter vielen. Im Schnitt erwarten die Experten von Morgan Stanley für 2015 einen Ölpreis von etwa 70 Dollar, eine Prognose der Commerzbank rechnet sogar mit einer Stabilisierung bei 80 Dollar. Das liefe auf Spritpreise von um die 1,40 Euro für Super und 1,30 für Diesel hinaus, nimmt man Vergleichswerte vom November zum Maßstab.

Millionen mehr für den Staat

Hinzu kommt, dass der Markt für Benzinpreise "seine eigenen Gesetze hat", wie Alexander von Gersdorff vom Mineralölwirtschaftsverband erläutert: Er bestimmt sich nicht nur über den Rohölpreis, sondern auch die Nachfrage aus der Wirtschaft, insbesondere im Hinblick auf Diesel, sowie Fixkosten durch Steuern.

Beim Rückblick auf 2014 kann sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble jedenfalls die Hände reiben: Nach den Berechnungen des MWV kann er in diesem Jahr mit Einnahmen von 39,9 Milliarden Euro aus der Mineralölsteuer rechnen, was Mehreinnahmen von 1,4 Prozent beziehungsweise 550 Millionen Euro entspricht.

Der Staat profitiert von den sinkenden Benzinpreisen gleich mehrfach. Erstens tanken die Deutschen wegen der gesunkenen Preise so viel wie seit Jahren nicht — eine Trendwende. Insgesamt verkauften die Tankstellen in den ersten neun Monaten 2014 so viel Benzin und Diesel wie zuletzt 2002. Zweitens steigt der prozentuale Anteil an den Einnahmen. Der Steuersatz auf Mineralöl ist nämlich festgelegt und unabhängig vom Preis an der Zapfsäule. Beim Benzin kassiert der Staat konstant 65,45 Cent je Liter, bei Diesel 47,04 Cent.

Der Preisabsturz birgt Gefahren

Drittens boomt durch die geringen Mineralölkosten die Wirtschaft. Sie erwartet für 2015 ein zusätzliches Wachstumsplus von 0,3 Prozent. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag spricht von einem unerwarteten Konjunktur-Geschenk. "Verbraucher und viele Unternehmen können sich freuen", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben unserer Redaktion.

Allerdings birgt der Absturz der Ölpreise auch Risiken. So warnt die Europäische Zentralbank eindringlich vor einem Abrutschen der Preise auf breiter Front. Dies könnte bei längerer Dauer in eine gefährliche Deflation mit immer geringerem Konsum und immer geringeren Investitionen münden. Zudem wäre auch ein Zusammenbruch des Öl-Förderlandes Russlands ein Risiko für die Weltwirtschaft.

Mit Material von dpa

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(pst)