Kalender und Kranz Warum feiern wir eigentlich die Adventszeit?

Düsseldorf · Am 27. November beginnt in diesem Jahr die Adventszeit. Aber was bedeutet Advent überhaupt? Und was hat es eigentlich mit Kalender und Kranz auf sich? Wir geben die wichtigsten Antworten.

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Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Was bedeutet das Wort Advent?

Advent kommt vom lateinischen „adventus“ für „Ankunft“. Für Christen ist der Advent die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Jesu auf Erden, die Weihnachten gefeiert wird. In den Gottesdiensten werden oft Texte aus dem Alten Testament gelesen, die die Ankunft des Erlösers prophezeien.

Wie lange dauert die Adventszeit?

Die Adventszeit beginnt immer am vierten Sonntag vor dem ersten Weihnachtstag (25. Dezember). Im längsten Fall – so wie in diesem Jahr – kann sie also 28 Tage dauern und am 27. November beginnen, im kürzesten 22 Tage, wenn sie am 3. Dezember anfängt. Anfangs dauerte die Bußzeit vor Weihnachten sogar 40 Tage – genau wie die Fastenzeit vor Ostern – und begann um den Martinstag (11. November). Papst Gregor der Große (590-604) legte fest, dass die Adventszeit nur die vier Sonntage vor Weihnachten umfassen soll.

Woher kommt der Adventskalender?

Im 19. Jahrhundert gab es Vorläufer wie stückweise abzubrennende Kerzen oder Kreidestriche auf der Wand, die die Kinder nach und nach wegwischen durften. In katholischen Gegenden durften Mädchen und Jungen im Advent täglich einen Strohhalm in die Krippe legen, damit das Jesuskind zu Weihnachten schön weich liegen möge. „Die Idee war, den Kindern die Zeit vor den Festtagen greifbar zu machen“, erklärt Alix Paulsen vom Weihnachtshaus Husum. Die 66-Jährige sammelt seit den 1970er-Jahren Weihnachtsschmuck, darunter Hunderte Adventskalender verschiedener Epochen.

Der erste kommerzielle Adventskalender entstand Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals brachte eine evangelische Buchhandlung in Hamburg eine Uhr auf den Markt, bei der Kinder mithilfe eines verstellbaren Zeigers die zwölf Tage vor Heiligabend rückwärts zählen konnten.

1904 gab der Münchner Verleger Gerhard Lang einen „Weihnachts-Kalender“ mit 24 Bildern zum Ausschneiden und Aufkleben heraus. Lang entwickelte immer neue Ideen und bot 1920 unter dem Titel „Christkindleins Haus“ den ersten Kalender mit Fenstern an, hinter denen sich vor allem Engel-Motive verbargen. „Damit war der klassische Türchen-Kalender geboren, wie wir ihn heute kennen“, so Paulsen.

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Erste Kalender mit Schokolade verbreiteten sich in den 1930er-Jahren in Dresden. Sie waren damals etwas Besonderes, weil das Genussmittel sehr teuer war.

In der Zeit des Nationalsozialismus versuchte das Regime, die christlichen Weihnachtsbräuche aus dem öffentlichen Leben zurückzudrängen. So durften ab 1940 Adventskalender wegen der Papierkontingentierung nicht mehr gedruckt werden. Als Ersatz erschienen Hefte namens „Vorweihnachten“ mit Panzer-Motiven zum Ausmalen, Darstellungen von hakenkreuzähnlichen Sonnenrädern auf dem Weihnachtsbaum und Weihnachtsliedern mit völkischen Texten.

Bald nach dem Zweiten Weltkrieg entflammte die Sehnsucht nach einer „heilen Welt“. Ab 1945 wurden wieder Adventskalender in allen Besatzungszonen hergestellt. Vielfach wurden Vorkriegsmotive neu aufgelegt. Ab den 1950er-Jahren wurden Adventskalender zur Massenware und damit flächendeckend beliebt. Meist zeigten sie Szenen aus romantisch verschneiten Städtchen.

In welchen Ländern gibt es Adventskalender?

Der Adventskalender ist ein typisch deutscher Brauch, der darüber hinaus fast nur noch in den USA eine Rolle spielt, wohin US-Soldaten nach dem Krieg die bunten Kalender aus Deutschland schickten. In einer Umfrage sagten 2017 zwei von drei Deutschen, sie wollten einen Adventskalender aufstellen. Dabei sind auch selbst gemachte und individuell befüllte Kalender sehr beliebt.

Seit wann gibt es Adventskranz und Adventskerzen?

1839 kam der evangelische Theologe und Pädagoge Johann Hinrich Wichern (1808-1881) auf die Idee. Im „Rauhen Haus“ in Hamburg betreute er arme Kinder und Jugendliche, denen er die Vorfreude auf Jesu Geburt auf eine sinnlich wahrnehmbare Art näherbringen wollte. Sein schlichter Adventskranz bestand aus einem hölzernen Wagenrad mit Tannenzapfen und Kerzen, die Licht in die dunkle Zeit bringen sollten. Wie Sie einen Adventskranz selber machen können, erfahren Sie hier.

 Ein Adventskalender (Symbolfoto).

Ein Adventskalender (Symbolfoto).

Foto: dpa/Monika Skolimowska

Außerdem verweisen sie auf Jesus als „Licht der Welt“. Dabei standen vier dicke weiße Kerzen für die Adventssonntage und kleine rote Kerzen dazwischen für die Werktage. Seit 1860 wurde der Kranz auch mit Tannengrün geschmückt als Zeichen der Hoffnung und des Lebens. Anfang des 20. Jahrhunderts hielt der Kranz Einzug in die bürgerlichen Wohnstuben, wobei die Werktagskerzen wegfielen.

(mba/kna)