1. Kultur

Zwei Jungen trotzen dem Judenhass in der Nazi-Zeit

Zwei Jungen trotzen dem Judenhass in der Nazi-Zeit

Literaturverfilmung "Simon" nach dem Bestseller von Marianne Fredriksson

Eine Jugend während des Zweiten Weltkriegs im schwedischen Göteborg: äußerlich friedlich, doch stets bedroht von den Auswirkungen des Kriegs, von der nach der Besetzung Dänemarks immer näher rückenden Aggressivität des deutschen Nazi-Reichs. Eine Jugend, die obendrein bestimmt wird von den Gegensätzen zwischen Land und Stadt, zwischen Handwerker-Milieu und Großbürgertum.

Das schildert "Simon" in ruhigen, stimmungsdichten Bildern. Die Fabel dazu ist effektvoll: Simon, der Sohn einer ländlichen Handwerker-Familie, freundet sich in der städtischen Oberschule mit Isak an, dem Sohn wohlhabender jüdischer Emigranten aus Deutschland. Mit Isak leidet auch Simon am Antisemitismus, der unter den Mitschülern verbreitet ist. Und durch die beiden jungen Freunde kommen sich auch die so verschiedenartigen Eltern näher. Es kommt zum Rollentausch zwischen den Freunden: Isak flieht vor der Feindseligkeit der städtischen Bürgersöhne aufs Land und lässt sich von Simons Vater zum Schreiner ausbilden. Simon findet in Isaks Vater Ruben, einem Buchhändler, einen begeisterten Mentor für seine literarischen und musikalischen Interessen.

Jan Josef Liefers zieht als Vater Ruben alle Register vom verletzlichen Emigranten über den begeisterten Erzieher bis zum schüchternen Verliebten. Das Objekt seiner Sehnsucht wird Simons Mutter, die schlichte Handwerker-Frau, aus der Helen Sjöholm eine anrührend verhaltene Figur macht.

Der Film beruft sich auf den Roman "Simon", einen umfangreichen Bestseller von Marianne Fredriksson. Weil die Regisseurin Lisa Ohlin für die Erzählung einer Jugend in Kriegszeiten mit bewundernswerter Konsequenz auf stimmungsvoll ausgemalte Kontraste setzte, werden die Nachkriegs-Verwicklungen der Roman-Vorlage hastig nachgereicht: Wie Simon erfährt, dass seine Eltern gar nicht seine natürlichen Eltern sind, dass sein Vater ein im Holocaust verschollener deutsch-jüdischer Musiker war (aha, daher sein Hang zur Hochkultur!), wie er nach Berlin aufbricht und so weiter. Da versickert die skandinavisch-deutsche Koproduktion im üblichen Bebilderungssalat einer Bestseller-Verfilmung. lll

(RP)