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Zum Tod des Schauspielers Rolf Hoppe

Nachruf auf Rolf Hoppe : Der Verwandlungskünstler

Der großartige Schauspieler Rolf Hoppe ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Es war der Moment, da ein Weltbild ins Wanken geriet. Hatten wir nicht gelernt, dass Robert Schumanns Schwiegervater Friedrich Wieck ein besitzsüchtiger, seine Tochter Clara argusäugig bewachender Tyrann war, dem es vor allem um ihre Karriere ging? Ein Machtmensch, der Schumann bei jeder Gelegenheit wissen ließ, dass er sich den väterlichen Plänen beugen müsste? Und dann kam in Peter Schamonis Film „Frühlingssinfonie“ von 1983 dieser unvergleichliche Schauspieler Rolf Hoppe, der kurz zuvor als eiskalter, emotional ausgehöhlter Hermann Göring in István Szabós Oscar-prämiertem Film „Mephisto“ eine grandiose Rolle hatte. Hoppe packte sich den Wieck wie einen alten Freund, in dessen Seele er sich auskannte und dessen Regungen er im eigenen Herzen spürte. Und plötzlich verwandelte sich das Weltbild. Erst später zeigten die Gerichtsakten von Schumanns Eheprozess, dass Wieck im Nachhinein mehr als nur rehabilitiert war. Hoppe hatte das geahnt.

Was hat die wunderbar knorrige, als Schauspieler zur Brutalität wie zur äußersten Liebenswürdigkeit befähigte Darsteller nicht alles geleistet! Er war, wie man so sagt, eine der tragenden Säulen des DDR-Theaters und -Fernsehens, aber auch im Westen wusste man immer, was Hoppe konnte. Seine Filmografie ist einschüchternd, ein ganzes Leben voller Wandlungen. Begonnen hatte er als Bäcker, als Kutscher, als Tierpfleger. Dann studierte er in Erfurt, machte eine Sprecherausbildung – und tatsächlich, wenn er seine Stimme zum Klingen brachte, konnte sie in jede gewünschte Richtung changieren. ekannt und beliebt wurde Hoppe auch bei Kindern, unter anderem als König und Vater des Aschenbrödel-Prinzen in der Kultverfilmung „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (1973).

  • Rolf Hoppe (Archiv).
    Bekannt aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ : Schauspieler Rolf Hoppe gestorben
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Der Mime konnte nicht nur reiten und fechten, sondern auch tanzen. In den Defa-Indianerfilmen war er oft Cowboy. Den Drang, Clown zu werden, führte er jedoch auf seine Kindheit nahe des KZ-Mittelbau Dora zurück, eins der brutalsten Arbeitslager der Nazis. Der Lagerzaun begann etwa 500 Meter hinter seinem Vaterhaus. Nach dem Krieg hatte er dort aufräumen müssen und eine Ahnung bekommen, was dort passiert war. Bei Hoppe führte das zur Erkenntnis, „dass der Mensch lachen, sich am Leben freuen muss“.

„Tatort“, Rosamunde Pilcher, „Wilsberg“, Donna Leon: Hoppe war nimmermüde und noch im hohen Alter aktiv. Er wollte gar niemals aufhören. Jetzt ist er im Alter von 87 Jahren in Dresden gestorben.