Düsseldorf: Zum 50. Geburtstag der 100. Klee

Düsseldorf : Zum 50. Geburtstag der 100. Klee

In diesem Sommer feiert die Kunstsammlung des Landes Nordrhein-Westfalen das halbe Jahrhundert mit einem Bürgerfest und zahlreichen Ausstellungsaktivitäten. In einer Blauen Stunde entschieden vier beherzte Männer um Ministerpräsident Franz Meyers (CDU) über die Gründung.

Eher zufällig wurde vor 51 Jahren ein kunstpolitischer Markstein gelegt, die Kunstsammlung NRW gegründet. Und das geschah so: Vier honorige Herren debattierten Anfang 1960 in der Staatskanzlei über Belästigung durch Fluglärm. Damals hatten Bürger schon dagegen aufbegehrt. Und doch musste man auch damals den einstimmig gefassten Kabinettsbeschluss akzeptieren. Die Herren wollten sich verabschieden, doch Ministerpräsident Franz Meyers bat den Präsidenten der IHK, Ernst Schneider, den Bankier Kurt Forberg und den Einzelhändler Friedrich Conzen, noch auf ein Glas Wein zu bleiben, die "Blaue Stunde" sei gekommen.

Man redete über dies und das, bis einer beklagte, dass der amtierende Kultusminister Schütz recht wenig Interesse an moderner Kunst zeige. Der Ministerpräsident wurde hellhörig, wollte wissen, was Hintergrund dieser Klage sei, und so erfuhr der kunstsinnige Meyers, dass dem Land durch die Basler Galerie Beyeler 88 Bilder von Paul Klee zum Preis von 6,5 Millionen Mark aus einer amerikanischen Privatsammlung angeboten worden seien. Der Kultusminister habe sich jedoch nicht gerührt, wurde berichtet, die Frist laufe in wenigen Wochen ab.

So weit, so gut. Wenn heute die Kunstsammlung des Landes ihren 50. Geburtstag feiert und sich mit ihrer schillernden Kollektion der Klassischen Moderne im Feld internationaler Museen ganz vorne behaupten kann, dann ist das auch dem ehemaligen CDU-Politiker und seinem beherzten Handeln zu verdanken. Meyers hatte vor 51 Jahren schnell reagiert und Nägel mit Köpfen gemacht. Beim damaligen WDR-Intendanten Hanns Hartmann bekam er die 6,5 Millionen aus dessen Überschüssen. Und Meyers stellte damit im Land wie in der Stadt die Signale auf Kunst, was eine Wiedergutmachung in zweifacher Hinsicht bedeutete: Künstler wie Paul Klee waren von den Nazis als entartet abgestempelt und vertrieben worden. Die kostbare Düsseldorfer Gemäldesammlung hatte der bayrische Kurfürst nach München verbracht. Bis heute gilt Meyers' Leistung als eine der bedeutendsten Maßnahmen des Landes.

Ein Jahr später, am 4. August 1961, wurde die Geburtsurkunde der "landeseigenen Galerie moderner Kunst" ausgestellt, die Bilder waren bald im Schloss Jägerhof zu sehen. 25 Jahre später fand der Umzug in den repräsentativen Neubau am Grabbeplatz statt. Die Sammlung des Landes wurde freilich nie als Museum angelegt. Ihr Fokus liegt auf dem Erwerb von Schlüssel- und Meisterwerken der Klassischen Moderne und auf dem Abbilden des Geschehens lebendiger zeitgenössischer Kunstgeschichte. Das betonte gestern Marion Ackermann, seit zwei Jahren Direktorin am Grabbeplatz. Zum runden Geburtstag will man daher mit den Bürgern feiern, die mit ihren Steuergeldern – damals wie heute – Eigentümerrechte erworben haben. Und so besitzen die Nordrhein-Westfalen auch das 45 mal 30 Zentimeter große Klee-Aquarell, das zum Geburtstag gekauft wurde, um die größte Klee-Kollektion in einem deutschen Museum abermals zu bereichern und zu ergänzen.

Feierlich wurde das Werk mit dem Titel "Polyphone Strömungen" von 1929 enthüllt, ein bisher nur selten gezeigtes Blatt in Rosa-Blau, das farbenprächtig erhalten ist und von einem in Berlin lebenden Enkel Mies van der Rohes angekauft werden konnte. Mies und Klee waren beide im Bauhaus tätig, ihre Familien eng befreundet. Klee hatte sein Bild früh auf den Markt gegeben, wo Mies es erwarb. Bis heute war es in seiner Familie und wurde ohne Zwischenhändler verkauft. Ein Glücksfall sei dieser Ankauf, "sehr, sehr froh" sei man über das Bild, sagte Sammlungsleiterin Anette Kruszynski. Während seiner Bauhaus-Zeit habe Klee unter dem Eindruck einer Ägyptenreise das Werk geschaffen. Die Musik fließe ins Bildnerische ein, die strenge Formensprache werde von schwingenden Linien und an Pflanzen erinnernden Strukturen aufgelockert. Es hat einen kleinen Schönheitsfleck, dem Meister muss beim Malen ein Wassertropfen aufs Papier geraten sein. Klee hat aus der Not eine Tugend gemacht und seine Signatur daraufgesetzt. Der Preis bleibt geheim. Kleine Klee-Aquarelle, 10 x 15 Zentimeter groß, kosten 800 000 Dollar auf dem Markt. Da kann man einfach hochrechnen.

(RP)