Zittern um Bayreuths Antrag auf Welterbe-Titel

Zittern um Bayreuths Antrag auf Welterbe-Titel

St. Petersburg Für die deutschen Städte Bayreuth und Schwetzingen naht nach jahrelanger Lobby-Arbeit der Tag der Entscheidung. Im russischen St. Petersburg hat die diesjährige Sitzung des Unesco-Welterbekomitees begonnen, bei der auch über die Vergabe neuer Welterbe-Titel für schützenswerte Natur- und Kulturstätten beraten wird. Die kurfürstliche Sommerresidenz in Schwetzingen und das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth sind zwei von über 30 Kandidaten. Sicher hat den Welterbe-Titel allerdings keiner der beiden deutschen Bewerber. So hat es in der Vergangenheit immer wieder Kritik an der großen Zahl der Anträge aus Europa gegeben. Im vergangenen Jahr räumte Deutschland ab wie kein anderes Land und schaffte mit den Alten Buchenwäldern, dem Fagus-Werk des Stararchitekten Walter Gropius und historischen Pfahlbausiedlungen gleich drei Neueinschreibungen. Insgesamt sind auf der Welterbeliste 36 deutsche Kultur- und Naturstätten verzeichnet. Der Unmut über die westliche Dominanz könnte auch dem Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth – einem "einzigartigem Monument barocker Theaterkultur" – zum Verhängnis werden, trotz eines positiven Icomos-Gutachtens.

Politisch eine andere Dimension hat der Eil-Antrag auf Einschreibung der Geburtskirche Jesu Christi samt Pilgerweg in Bethlehem. Er kommt von den Palästinensern, die erst 2011 gegen den Widerstand von Israel und den USA als Vollmitglied in die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) aufgenommen wurden. Die Icomos-Experten haben in einem Gutachten zwar die Dringlichkeit des Antrags verneint, theoretisch könnte er aber dennoch verabschiedet werden. Ein WelterbeTitel für die Palästinenser wäre ein Triumph für ihre Autonomiebestrebungen.

(RP)