Rom: Zarte Anzeichen für Öffnung der Kirche

Rom: Zarte Anzeichen für Öffnung der Kirche

Bei der Synode im Vatikan berät Papst Franziskus auch über homosexuelle Partnerschaften.

Der Papst geht zu Fuß. Es sind ja nur zwei Minuten vom Gästehaus Santa Marta im Vatikan hinüber zur Synodenaula. Drinnen verteilt Franziskus an seine Nebenmänner Schokoladenkekse. Dies mögen zu vernachlässigende Details sein bei den großen Themen Familie, Ehe, Sexualität, über die die knapp 190 Synodenväter im Vatikan bei der Sondersynode diskutieren. Doch das Talent dieses Papstes ist seine Fähigkeit, die Menschen um ihn herum zu vereinnahmen. "Er hat uns ein bisschen befreit", sagt der brasilianische Kurienkardinal João Braz de Aviz über die Wirkung von Franziskus in der Synode, als er in der Mittagspause über den Petersplatz schlendert. Der einflussreiche Kurienmann meint damit: Man spricht jetzt anders in der Kirche. "Weniger Autorität, mehr Zuhören."

Wenn der Ton die Musik macht, dann stehen die Zeichen in der katholischen Kirche zumindest zaghaft auf Öffnung. In diesem Sinn haben sich die Synodenväter mehrheitlich ausgedrückt. Dazu dürfte bereits die Themenstellung der durch Franziskus einberufenen Synode zu den "pastoralen Herausforderungen" in der Familie beigetragen haben. Die Bischöfe, darunter die 114 Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenzen, sprechen aus der Erfahrung der Seelsorge heraus, betonen praktische Aspekte. Akademische Beiträge und das Beharren auf der reinen Lehre sind in den Hintergrund gerückt.

Eine der häufigsten Forderungen, die aus der Synode dringt, ist jene, die Kirche müsse unbedingt ihre Sprache verändern. Formulierungen wie "in Sünde leben", "objektiv ungeordnet" im Bezug auf Homosexualität oder "Verhütungsmentalität" seien zu vermeiden, forderten Bischöfe.

Mehrere Teilnehmer, darunter offenbar auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, wiesen darauf hin, dass nicht-eheliche Lebensgemeinschaften "Elemente von Heiligung und Wahrheit" beinhalteten. Betont wurde auch, homosexuelle Partnerschaften seien nicht grundsätzlich zu verurteilen. Wenn eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft über Jahrzehnte treu gelebt werde, könne man nicht sagen, "das ist nichts".

In diesem Zusammenhang wurde in der Synode mehrfach das moraltheologische Modell der "Gradualität" hervorgehoben, bei dem auch Vorstufen eines selten erreichten Ideals Anerkennung finden können. Dieses Modell, so der Vorschlag, könnte auch beim umstrittenen Thema der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene angewendet werden und zu neuen pastoralen Lösungen führen. Man rechnetdamit, einen Konsens zu finden.

(RP)
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