Witze ohne Charme

Witze ohne Charme

Komödie "Türkisch für Anfänger"

Keine zwei Sekunden lang kann sich der Gedanke halten, wir hätten hier eine Kinovariante der TV-Serie "Lost" vor uns. Zwar strandet ein heterogenes Trüppchen Menschen auf einer abgelegenen Insel, aber wir haben es nur mit ein paar deutschen Urlaubern im Komfortloch zu tun.

"Lost" wäre trotzdem ein prima Titel für "Türkisch für Anfänger". Bei der Übertragung dieser TV-Serie ins Kino sind nämlich Witz und Charme verloren gegangen. Dabei stammen Buch und Inszenierung wieder von Bora Dagtekin, der sowohl "Türkisch für Anfänger" geschrieben hat wie auch für "Doctor's Diary" verantwortlich zeichnet, also gleich hinter zwei der wenigen löblichen Ausnahmen in der Hirnhobelwerkstätte deutschen Serienschaffens steckt. Auch die wichtigen Darsteller der zwischen 2006 und 2008 in drei Staffeln ausgestrahlten Fernsehserie haben für den Kinofilm wieder zusammen gefunden, Josefine Preuß und Elyas M'Barek. Der Kinofilm wagt keine Fortsetzung der Serie, er stellt ihren Grundkonflikt noch einmal dar: ein türkischer Single-Vater mit einem Goldkettchen-Macho-Sohn und einer unters Kopftuch geduckten Tochter lernt eine alleinerziehende Deutsche mit einer sehr emanzipierten Tochter kennen. Die Erwachsenen wagen die Liebe. Die Kids geraten aneinander.

Nun spielt das alles während des Schiffbruchs am Strand und im Dschungel, nicht mehr in der Großstadt. Der Fokus liegt stärker auf den Kindern, aber die Laborsituation – Isolation, Improvisation, Rückfall in den Naturzustand – vergröbert die Witze. Macho Cem blökt herum, was alles Männersache sei, Trotzwalküre Lena stapft los und zeigt ihm, was Mädels alles drauf haben. Wie die beiden doch zueinander finden, das ist ein steriles Beispiel für die uninspirierte Anwendung von Drehbuchschulregeln. Ein paar Mal mag man über die erwartbaren Kabbeleien grinsen, dann möchte man nur noch das eigene Hemd für ein Leuchtfeuer spenden, damit diese Gestrandeten schnell gefunden werden. l

(RP)
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