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Wie sich Namen deuten lassen

Wie sich Namen deuten lassen

Jeder Vorname enthält eine verborgene Botschaft über die Persönlichkeit eines Menschen. Das sagt Sprachforscher Joachim Schaffer-Suchomel. In seinem Buch zeigt er den Ursprung von 500 Vornamen und entschlüsselt deren psychologische Bedeutung. Goethe hätte ihm wohl geglaubt.

Was, wenn der Blick auf den eigenen Vornamen genügt, um sich selbst und seine Bestimmung zu erkennen? Wäre es erleichternd und beruhigend zu erfahren, dass Eltern in dem Moment, in dem sie einen Namen für ihr Neugeborenes auswählen, den Charakter ihres Kindes erahnen und ihn in einen Namen fassen? Auch wenn sich die Namensdeutungen in Joachim Schaffer-Suchomels Buch "Sage mir deinen Namen und ich sage dir wer du bist" (Verlag Goldmann) teilweise wie Horoskope lesen: Vom Namen auf den Charakter eines Menschen schließen zu wollen, das ist eine Frage, die schon Weltliteraten wie Goethe beschäftigte.

Für Goethe war der Eigenname eines Menschen nicht ein willkürlich umgehängter Mantel, "sondern ein vollkommen passendes Kleid, ja, wie die Haut selbst, ihm über und über angewachsen". "Früchte des Zorns"-Autor John Steinbeck fragte sich: "Namen – damit hat es eine sehr geheimnisvolle Bewandtnis. Ich bin mir nie ganz klar darüber geworden, ob der Name sich nach dem Kinde formt, oder ob sich das Kind verändert, um zu dem Namen zu passen."

Sprachforscher und Pädagoge Joachim Schaffer-Suchomel sagt, dass das lateinische Sprichwort "Nomen est omen" zutrifft. Er gibt Eigennamen eine Bedeutung und damit eine Spiritualität. Über die kulturgeschichtliche Bedeutung eines Namens nähert sich der Sprachforscher deren psychologischer Bedeutung. So sieht er sich etwa Wortbilder im Namen an und teilt jedem Buchstaben Charaktereigenschaften zu. Beginnt ein Name mit P, schließt er auf eine unruhige Persönlichkeit, die viel vorantreiben kann: "Könnte man ein P auf den Tisch stellen, würde es nach vorne umfallen."

Doch auch die Eltern spielen eine große Rolle: Indem sie ihrem Kind einen Namen geben, drücke sich "ihre Erwartungshaltung an das Kind, ihr Werteverständnis und auch die Hoffnung auf den Lebensweg, den das Kind wählt, aus". Um dieses Wissen bereichert, könne der Namensträger zusätzlich ein größeres Verständnis für sich selbst und seine Bestimmung entwickeln. Und sein Gegenüber wiederum mehr Einfühlungsvermögen für sein Verhalten. Denn für den Sprachforscher steckt in jedem Namen ein Psychogramm, das alle Träger eines Namens gemeinsam haben – und sich in ihrem Verhalten äußert.

Für Schaffer-Suchomel, der als Dozent an Universitäten lehrt und seit 1995 das Coachinginstitut "Brainfresh" in Hessen leitet, gibt es aber keine falschen Namen. Wer nach dem richtigen Namen für sein Kind sucht, solle sich ganz auf seine Intuition verlassen. Und nicht erst die Bedeutung von Namen studieren, um dann einen mit einer besonders wohlwollenden Bedeutung auszuwählen. Denn jeder Name habe positive und negative Eigenschaften, die sich im Leben der betroffenen Person widerspiegeln.

Lesen Sie morgen über die Bedeutung von Vornamen von I wie Ingrid über K wie Karl und M wie Michael bis P wie Petra oder Peter. Übermorgen lesen Sie die Bedeutung der Vornamen von Q bis Z.

(Rheinische Post)