Abmahnung für Mettmanner Priester Katholische Kirche streitet über Segensfeiern für homosexuelle Paare

Analyse | Düsseldorf · Katholische Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare bleiben umstritten. Jüngst erteilte Kardinal Woelki einem Priester aus Mettmann deswegen eine Abmahnung. Die anderen NRW-Bistümer gehen unterschiedlich damit um.

 In der katholischen Kirche wird über Segensfeiern für gleichgeschlchtliche Paare diskutiert.

In der katholischen Kirche wird über Segensfeiern für gleichgeschlchtliche Paare diskutiert.

Foto: dpa/Ina Fassbender

In Kostenpflichtiger Inhalt Nordrhein-Westfalen wird künftig wohl unterschiedlich gesegnet: Während gleichgeschlechtliche Paare in den katholischen Bistümern von Münster, Essen und Aachen mit Segensfeiern rechnen können, wird dies im Erzbistum Köln vorerst nicht gestattet bleiben. So wurde unlängst der Mettmanner Pfarrer Herbert Ullmann für einen Segnungsgottesdienst durch Kardinal Rainer Maria Woelki abgemahnt mit der Auflage, keine weiteren Feiern für homosexuelle Paare zu zelebrieren.

„Für Priester im Erzbistum Köln gelten die Regeln, die der Vatikan 2021 noch einmal eindeutig erklärt hat“, sagte der Generalvikar von Köln, Guido Assmann, unserer Redaktion. „Im Erzbistum Köln wird die Haltung gelebt, die die offizielle Haltung der katholischen Kirche ist. Und daran sollte sich auch jeder Priester halten.“ Wobei nach Assmanns Worten Erzbischof Woelki auch deutlich gemacht habe: „Sollte der Vatikan eine andere Beurteilung und Haltung annehmen, würde das Erzbistum Köln dem natürlich folgen.“

An sogenannten Segensfeiern für Paare, die sich lieben (so die etwas behäbige Formulierung) scheiden sich hierzulande die katholischen Geister. Wobei die Sachlage im Sinne der Kirchenlehre unstrittig ist. Noch im März 2021 hatte die römische Glaubenskongregation auf Anfrage erklärt, dass katholischen Priestern nicht erlaubt sei, homosexuelle Paare zu segnen. Und da Priester sich zur Einhaltung kirchlicher Lehre verpflichten, ist die Lage im Grunde geklärt.

Gäbe es da nicht das längst gewandelte Menschenbild und damit die Anerkennung freier sexueller Orientierung, Initiativen wie OutInChurch hierzulande sowie den Reformprozess des Synodalen Wegs. Dort wurde noch im März mit großer Mehrheit ein Arbeitspapier für die Zulassung von Segensfeiern für sich liebende Paare beschlossen (an einer Handreichung wird noch gearbeitet), doch ist kein Ortsbischof daran gebunden; zudem hat sich neben anderen Bischöfen auch Kardinal Woelki seiner Stimme dazu enthalten. Zwar warten die Beschlüsse des Synodalen Wegs noch immer auf eine Reaktion aus Rom, doch haben die Debatten Prozesse in vielen Bistümern angestoßen, neue Ansichten bei etlichen den Ortsbischöfe hervorgebracht.

Das spiegelt sich in aktuellen Stellungnahmen der NRW-Bistümer. So erklärte auf Anfrage unserer Redaktion der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer, dass viele Priester und pastorale Mitarbeitende vor einem großen Dilemma stünden. Danach wollten sie die Wünsche und Sehnsüchte von Menschen zwar gerne erfüllen, die einen Segen für ihre Liebe erbitten – würden aber in einen Widerspruch mit der kirchlichen Lehre treten. „Für viele von ihnen erwächst daraus ein ernsthafter Gewissenskonflikt“, so Pfeffer. „Die Antwort darauf können keine Verbote und Ermahnungen sein, sondern nur das Gespräch und die Suche nach Lösungen, die den Menschen gerecht werden.“

Für den Münsteraner Bischof Felix Genn zählt, dass „jede Person – völlig unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität – unbedingt von Gott geliebt ist.“ In diesem Sinne lässt Genn den Seelsorgern mehr oder weniger freie Hand in ihren Entscheidungen. Feiner formuliert heißt es, dass der Bischof seinen Seelsorgerinnen und Seelsorger im Bistum vertraue, queere Menschen gut zu begleiten. „In diesem Sinne wird er keine Konsequenzen oder Sanktionen gegen Seelsorger/innen aussprechen, die sich so verhalten, wie sie es aufgrund ihres seelsorglichen Auftrags und ihres Gewissens im Dienst an den Menschen für richtig halten“, heißt es. Sanktionen schließt das Bistum aus.

Ähnlich in Aachen. Auch dort überlässt es Bischof Helmut Dieser der Gewissensentscheidung des jeweiligen Priesters, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. So sei es schon in den vergangenen Jahren gehandhabt worden. Doch die Bitte Bischof Diesers, dass aus der Debatte um Segensfeiern gleichgeschlechtlicher Paare „keine politischen Inszenierungen“ gemacht werden solle, ist nur ein hehrer Wunsch angesichts der Kölner Abmahnung und der Kritik daran vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der Katholischen Frauengemeinschaft in Deutschland, die eine „Rücknahme der Abmahnung“ fordert.

In vielen Fragen zeigt sich, wie die katholische Kirche derzeit um einen zeitgemäßen Weg in die Zukunft ringt. Auch in Köln. So erklärte Generalvikar Assmann im Gespräch mit unserer Redaktion, dass „jeder in unseren Gottesdiensten willkommen“ ist. Nach seinen Worten sei es aber auch wichtig, „dass die, die zum Gottesdienst kommen, wissen, was dort gefeiert wird. Wir stehen für eine offene Kirche, haben aber als Weltkirche eine klare Position. Konkret: Wir haben keine Vollmacht, Paare zu segnen, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben.“ Hier gehe es um eine Frage, die nach Meinung Kardinal Woelkis zunächst auf weltkirchlicher Ebene zu entscheiden sei, ließ das Erzbistum verlauten.

Es ist genau diese Sackgasse, in der viele Reformversuche enden. Sie hinterlassen tiefe Frustrationen bei vielen Gläubigen und in Rom den Eindruck, dass die katholische Kirche in Deutschland eigentlich doch eine protestantische sei. Ausgetragen aber wird der Disput auf den Rücken der Gläubigen. Vor Ort gibt es indes manchmal ein anderes Bild, nicht nur in Mettmann: „Segnen heißt, direkt aus dem Lateinischen übersetzt: einem Menschen, einem Paar etwas Gutes zusagen. Was kann daran schlecht sein?“, sagt der Mönchengladbacher Regionalvikar Ulrich Clancett. Und das heißt: „Jeder, der zu uns kommt, wird gesegnet, das ist gar keine Frage. Menschen, die einander lieben, gehören unter den Schutz Gottes gestellt – wenn sie es möchten.“

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