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Düsseldorf: Wie Jay Z sein Album vermarktet

Düsseldorf : Wie Jay Z sein Album vermarktet

Der Rapper aus New York verkaufte eine Million Alben an die Firma Samsung.

HipHop ist der Soundtrack des Kapitalismus und Jay Z sein König. Der 43-Jährige gilt als begabtester Rapper der Gegenwart, seine tatsächlich ziemlich großartigen Platten "Reasonable Doubt" (1996), "The Blueprint" (2001) und "Black Album" (2003) sind Klassiker des Genres. Der Mann, der eigentlich Shawn Carter heißt, erzählt in seinen Liedern stolz, wie er es vom Drogendealer in Brooklyn zum Mogul von New York gebracht hat, zum Boss seiner eigenen Plattenfirma, Obama-Kumpel und Ehemann der ebenso erfolgreichen Sängerin Beyoncé. Jay Z erhob das Geschäftemachen zur Kunstform, er ist der Sänger mit der dicken Zigarre, der zu schweren Bässen vorrechnet, dass die erste Milliarde nur noch schlappe 400 Millionen Dollar entfernt ist.

Nun ist Jay Z seinem ökonomischen Ziel wieder einen Schritt näher gekommen. Er veröffentlichte ein neues Album, und noch bevor es gestern in die Läden gekommen ist, hatte es Platinstatus erreicht. Jay Z verkaufte "Magna Carta ... The Holy Grail" an den koreanischen Mobilfunk-Riesen Samsung. Der soll für eine Million digitale Exemplare unfassbare fünf Dollar pro Stück gezahlt haben, um sie seinen Kunden wenige Tage vor dem offiziellen Verkaufsstart in einer Gratis-App anzubieten. Es gibt wohl kein Album der populären Musik, das ähnlich gescheit vermarktet wurde.

Wie die Musik klingt, ist also fast egal. Die meisten Stücke auf "Magna Carta ... The Holy Grail" wurden denn auch von Timbaland in bewährter Manier produziert. Die Beats sind größtenteils sommerlich träge, Jay Z berichtet in gleichbleibend hoher Qualität von den Leiden des Reichseins, von seinen Maybachs und der Kunstsammlung, und wieder mal vergleicht er sich mit Muhammad Ali und Michael Jackson. Er sampelt REM, Radiohead und Nirvana. Justin Timberlake singt mit ihm im Duett, und für die beiden besten Lieder – nämlich das wunderbare "Part II (On The Run)" und das versonnene "Ocean" – kamen Gattin Beyoncé und der junge und hochbegabte Soulsänger Frank Ocean hinzu.

Jay Z verwaltet seinen Ruhm, er macht das anständig, klingt aber nie so aufregend, radikal und mutig wie Kanye West auf seinem Album "Yeezus". Es ist spannend, den beiden größten Rappern bei ihrem Wettbewerb zuzusehen. West überholte Jay Z in Sachen Kreativität. Bei der Geschäftsführung liegt er indes hinten: Von "Yeezus" wurde nicht mal eine halbe Million Exemplare in den USA abgesetzt. Nach den Gesetzen dieses Milieus ist das ein herber Rückschlag.

(RP)