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WestLB: Museums-Chefs attackieren Portigon

Düsseldorf : Museums-Chefs attackieren Portigon

Geplanter Verkauf von Kunstwerken gilt den Kritikern als Bankrott-Erklärung.

Als "Bankrott-Erklärung" der Landesregierung haben 27 Direktoren nordrhein-westfälischer Kunstmuseen den Verkauf von Bildern und Objekten kritisiert, den die Düsseldorfer Bank Portigon als Nachfolgerin der WestLB plant. In einer Stellungnahme heißt es: "Wir fordern einen sofortigen Stopp der Verkaufsvorbereitungen sowie eine gründliche juristische Prüfung, wie diesem Ausverkauf kultureller Güter ein Riegel vorgeschoben werden kann. Hier appellieren wir insbesondere auch an die Gesellschafter der Portigon" - und das ist vor allem das Land NRW.

Als "besonders zynisch" empfinden die Unterzeichner die Ankündigung des Portigon-Vorstandsvorsitzenden Kai Wilhelm Franzmeyer, Werke aus der Sammlung vor ihrer Veräußerung "ausgewählten Museen" in Nordrhein-Westfalen als Leihgaben zur Verfügung zu stellen. Dazu heißt es: "Wir werden uns an dieser dubiosen Aktion nicht beteiligen, unsere Häuser dürfen nicht zum Durchlauferhitzer für den Kunstmarkt werden!" Und weiter: "Von Zynismus zeugt auch das Angebot an die öffentlichen Sammlungen in NRW, die Werke nunmehr ,zum Marktpreis' abzukaufen." Das sei angesichts des gegenwärtigen Booms auf dem Kunstmarkt gerade bei wichtigen Arbeiten "völlig undenkbar".

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Skeptisch sind die Museumsdirektoren auch, was den Effekt eines Verkaufs anlangt: "ob mit dem Verkaufserlös auch nur ein Bruchteil des finanziellen Schadens ausgeglichen werden kann, den die missglückten Spekulationen der WestLB angerichtet haben".

Und noch etwas erweckt den Unmut der Unterzeichner: "Völlig unverständlich ist für uns, warum die WestLB-Nachfolgerin die Inventarliste mit offenbar 400 Werken unter Verschluss halten will" - und das wenige Wochen vor dem Runden Tisch, den die Landesregierung für den 5. Februar einberufen hat. Der soll über den künftigen Umgang mit Kunst in landeseigenen Unternehmen diskutieren. Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) kritisierte gestern den Vorstoß von Portigon - immerhin.

Zu den Unterzeichnern der Stellungnahme zählt die Leiterin des Mönchengladbacher Museums Abteiberg, Susanne Titz. Sie verweist darauf, dass man, wenn man von Werten spricht, auch die historische Dimension von Kunstschätzen einbeziehen müsse. Unter Umständen gebe man für einen geringen Erlös hohe ideelle Werte preis, gerade solche mit Bezug zur Region. Sollten Portigon und das Land endlich eine detaillierte Liste veröffentlichen, die Rückschlüsse auf die Bedeutung der einzelnen Positionen zulässt, könnte man Titz zufolge auch Kriterien dafür entwickeln, "wie wichtig die einzelnen Kunstwerke für uns sind".

(RP)