1. Kultur

Weshalb der Kultfilm "Lucky Number Slevin" nie ins Kino kam

„Lucky Number Slevin“ : Der beste Film, von dem Sie noch nie gehört haben

Trotz exzellenter Besetzung erschien der Kultfilm „Lucky Number Slevin“ von 2006 hierzulande nur auf DVD. Das liegt am sperrigen Titel - und daran, dass er vielen Kritikern zu clever war. Eine Ehrenrettung zum 15. Geburtstag.

Zuerst eine Warnung: Schauen Sie auf keinen Fall den Trailer zu diesem Film. Denn „Lucky Number Slevin“ lebt zu einem guten Teil davon, dass man als Normalsterblicher zwar hingerissen und prächtig unterhalten ist vom Gesehenen, aber vom großen Ganzen doch wenig bis nichts versteht. Bis ganz kurz vor Schluss. Dann aber verneigt man sich vor den Machern und fragt sich: Warum zur Hölle war diese Perle hierzulande eigentlich nie im Kino zu sehen? Denn „Lucky Number Slevin“ hat alles: Tempo und Charme, sagenhaften Wortwitz und Anspruch. Seinen ganz eigenen Stil. Und fulminante Star-Power noch dazu: Morgan Freeman sowie Sir Ben Kingsley spielen verfeindete Gangsterbosse, Josh Hartnett einen Mann, der schlichtweg nicht in der Lage ist, Angst zu empfinden. Gute Kombi! Dazu kommen Lucy Liu als hübsche Frau von nebenan, Bruce Willis als staubtrockener Auftragskiller und Stanley Tucci als rüder Cop.

 Zum „Boss“ zitiert: Slevin (Josh Hartnett) bei Morgan Freeman.
Zum „Boss“ zitiert: Slevin (Josh Hartnett) bei Morgan Freeman. Foto: ©Weinstein Company/Courtesy Everett Collection

Was also ging schief? Weshalb ist dieser Film auch 15 Jahre nach seinem Kinostart in Großbritannien hierzulande nur Cineasten ein Begriff, die ihn als Kandidaten für den „unterbewertetsten Film aller Zeiten“ preisen? Im Wesentlichen hat diese Ungerechtigkeit drei Gründe.

Erstens lässt sich der Film kaum einem Genre zuordnen; er ist weder Thriller noch Drama noch schwarze Komödie. Zuschauer stört das zwar nicht, wie etwa „Snatch“, „Fight Club“ und sämtliche Filme von Quentin Tarantino beweisen, Filmbosse und Marketingleute aber macht es unruhig. Für Deutschland fand sich darum - anders als in Lettland und im Libanon, in Rumänien und den Vereinigten Arabischen Emiraten - kein Verleih.

Zweitens ist da der sperrige Titel: „Lucky Number Slevin“ ist ein bemühtes Wortspiel mit dem wenig geläufigen Vornamen Slevin. Die alternativen Schreibweisen „Lucky # Slevin“ Sowie „Lucky Number S7evin“ (doch, wirklich) machen es nur noch schlimmer. Das ist nicht nur im Deutschen suboptimal; selbst in Australien entschied man sich für das schlichte „The Wrong Man“. Bei der Veröffentlichung der DVD leistete man sich für den deutschen Markt zwar eine verblüffend gute Synchronisation, blieb aber beim Originaltitel. Leider, leider.

Drittens und vor allem aber nahmen es viele, viele Kritiker persönlich, dass sie manchen Twist im Plot nicht kommen sahen. Der legendäre Roger Ebert hatte wenigstens die Größe, das zuzugeben: In seiner Zwei-Sterne-Bewertung heißt es grummelig: „Die denken, die sind schlauer als ich, und damit könnten sie auch recht haben – aber das führt nicht dazu, dass ich sie mag.“

Regisseur Paul McGuigan („Sherlock“) und Autor Jason Smilovic („War Dogs“) aber dürften wissen, wie hinreißend ihnen „Lucky Number Slevin“ gelungen ist, der weltweit inklusive DVDs immerhin das Dreifache seines 27-Millionen-Dollar-Budgets wieder einspielte.

Und das Publikum gibt den Machern Recht: auf Seiten wie MetaCritic.com oder RottenTomatoes.com bekommt er Bestnoten von im Schnitt knapp 90 Prozent. Fans von „Snatch“, „The Big Lebowski“ und den Coen-Brüdern sollten „Lucky Number Slevin“ sehen. Und alle anderen auch.

Derzeit ist „Lucky Number Slevin“ leider bei keinem Streaming-Anbieter zu sehen. Enthalten ist er aber in Sky Ticket und Sky Go, und leihen lässt er sich etwa über Amazon und Magenta-TV. DVD und Blu-ray gibt’s günstig bei eBay und Co.