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Wer nach dem Abi im Ausland studieren möchte, braucht eine gute Vorbereitung

Auslandsstudium : Exzellenz im Ausland

Wer nach dem Abitur im Ausland studieren möchte, braucht vor allem eine gute Vorbereitung. Was man beachten muss.

Sich im ersten Semester gar nicht erst an einer deutschen Uni einschreiben, sondern komplett im Ausland studieren – das ist vor allem für diejenigen eine Alternative, die die hiesigen NCs nicht packen. „Wenn ich zum Beispiel unbedingt Medizin studieren möchte, aber mit einem Zweier-Abi hier keinen Studienplatz bekomme, ist ein Studium im Ausland eine mögliche Alternative“, sagt Karin Wilcke, Studienberaterin aus Düsseldorf. „Wenn es mir aber um das Abenteuer geht, dann sollte ich lieber hier mein Studium beginnen und für ein oder zwei Semester während des Bachelors ins Ausland gehen. Das ist organisatorisch wesentlich einfacher und vor allem kostengünstiger.“

Die gute Nachricht: Das deutsche Abi wird weltweit anerkannt und allgemein wertgeschätzt. „In den USA bekommt man in manchen Studiengängen für das deutsche Abitur sogar schon einige Creditpoints gutgeschrieben“, sagt Karin Wilcke, die regelmäßig junge Menschen zu Alternativen zum Studium in Deutschland berät. „Aber: In anderen Ländern muss man, um bestimmte Fächer studieren zu können, auch gewisse Fächer im Abitur gehabt haben. Wer etwa in den Niederlanden oder in Großbritannien Medizin studieren möchte, muss das gesamte naturwissenschaftliche Spektrum als Abiturfächer gehabt haben. Habe ich Chemie in der Jahrgangsstufe 12 abgewählt, nützt mir eine Bewerbung in den Niederlanden nichts.“

Wie es für EU-Bürger mit dem Studium in England weitergeht, ist auf Grund des Brexit derzeit noch nicht klar. „Für EU-Studenten galten bislang Studiengebühren von 11.000 Euro im Jahr. Für Nicht-EU-Bürger waren die sogar doppelt so hoch“, sagt Karin Wilcke. „Und Masterstudiengänge sind noch teurer. Für Großbritannien gebe ich deshalb wirklich die Empfehlung ab, hier lieber ein Gastsemester zu verbringen als das gesamte Studium.“ Zumal man für ein Auslandssemester durchaus Bafög beantragen könne. „Es kann gut sein, dass man auf Grund der Kosten Auslands-Bafög bekommt, selbst wenn man in Deutschland nicht berechtigt ist.“

Ähnliches gilt auch für ein Studium in den USA. „Die amerikanischen Unis sind unfassbar teuer, viele Studierende müssen sich verschulden, um sich dort einschreiben zu können. Wer wirklich in die USA gehen möchte, sollte nach Stipendien suchen, etwa beim DAAD oder über die Fulbright Kommission.“ Wichtig zu wissen sei auch, dass ein Bachelor in den USA vier Jahre dauere, anstatt drei Jahre in Deutschland. „Zudem braucht man mindesten eineinhalb Jahre Vorlaufzeit“, so Karin Wilcke. „Denn für ein Studium in den USA brauche ich nicht bloß mein Abizeugnis, sondern auch Empfehlungsschreiben – etwa von Lehrern – und ein Motivationsschreiben.“ In Kanada laufe das sehr ähnlich ab, so die Studienberaterin. „Wichtig zu beachten ist, dass ein Drittel der kanadischen Universitäten nicht englisch-, sondern französischsprachig ist.“ 7000 bis 30.000 Euro kostet das Studium in Kanada allerdings pro Jahr – für Kanadier. Ausländer zahlen das Zwei- bis Dreifache.

Eine beliebte Alternative, wenn es ums Medizinstudium geht, ist Osteuropa. „Hier locken die Hochschulen deutsche Abiturienten, deren Abi nicht sehr gut ist, mit englischsprachigen Medizinstudiengängen“, so die Studienberaterin. „Viele studieren zum Beispiel Medizin in Riga.“ 25 Prozent der 9100 Studierenden der Uni in der lettischen Hauptstadt kommen aus dem Ausland. Sie haben dort die Möglichkeit, Medizin oder Zahnmedizin ohne NC zu studieren und werden in kleinen Gruppen bestmöglich betreut. Eine gute Alternative, denn der Abschluss aus Riga wird als EU-Abschluss in Deutschland anerkannt. Wichtig sei aber: Es gebe kaum eine Möglichkeit, das Studium in Riga zu beginnen und währenddessen in einen deutschen Medizinstudiengang zu wechseln. „Davon träumen viele, aber das ist unrealistisch. Wenn man dort das Studium beginnt, dann muss man es auch dort zu Ende bringen“, macht Karin Wilcke deutlich. Das betont auch die Universität in Riga: Die meisten Studierenden machen ihr Diplom in Lettland und starten dann ihre medizinische Karriere in ihrer Heimat.

Wer eine deutschsprachige Alternative zu den Fächern Medizin und Psychologie sucht, kann es nur im Nachbarland Österreich probieren. „In den Niederlanden gibt es auch ein paar deutschsprachige Studiengänge – aber eben nicht Psychologie und Medizin“, sagt Karin Wilcke. Grundsätzlich sei das Studium in den Niederlanden auch deshalb beliebt, weil es viel anwendungs- und praxisbezogener sei als an deutschen Universitäten. Auch studiere man in kleineren Gruppen. „Allerdings zahlt man dafür auch Studiengebühren.“

Das ist in Dänemark, Schweden und Norwegen nicht der Fall. Und: Dort gibt es ein breites Angebot an englischsprachigen Studiengängen. Oft begegnen Karin Wilcke in ihrer Beratung auch junge Frauen und Männer, die von einem Studium am anderen Ende der Welt träumen – in Neuseeland oder Australien. „Das sind Ziele, die man sich für ein Auslandssemester aussuchen kann. Von einem kompletten Studium rate ich ab – da hat man dann 45.000 Euro für einen Bachelor gezahlt, den man sich hier in Deutschland mühsam anerkennen lassen muss.“ Die Studienberaterin betont: „Man muss Spaß an dem Land haben, sich integrieren, die andere Kultur kennenlernen. Wenn ich nur ins Ausland gehe, weil ich in Deutschland mit meinem Abi nicht weiterkomme, sollte ich nach anderen Alternativen suchen.“