In München Weltpremiere: Marilyn-Musical bejubelt

München (rpo). Zum Broadway müssen die Münchner nicht, wenn sie nach professionellen Musicals gelüstet, die nicht allerwelt schon gesehen hat. Am Wochenende sahen die Gäste des Gärtnerplatztheaters die Welt-Uraufführung des Musicals "Marilyn" - Das Musical" - und waren hellauf begeistert. Hauptdarstellerin Anna Montanaro hatte sie gepackt...

Jubel für Marilyn-Musical
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Foto: ddp

Zur Uraufführung des weltweit ersten Musicals über die blonde Film-Ikone hatte das kleine Staatstheater eigens einen roten Teppich vor der Eingangstreppe ausgerollt. Dort stellte sich die geladene Prominenz vor einer Schar von Fotografen in Pose. Unter den Gästen waren die Kessler-Zwillinge, Schlagerkomponist Ralph Siegel, der Kieler "Tatort"-Fahnder Axel Milberg und "Kommissar"-Alt-Assistent Reinhard Glemnitz.

Stolz empfing Gärtnerplatz-Intendant Klaus Schultz, der in München seine vorletzte Spielzeit absolviert, die Premierenbesucher. Der Presserummel war schon im Vorfeld erheblich gewesen. Im Foyer gab es dann allerlei Devotionalien mit dem Konterfei der US-Filmikone zu kaufen: T-Shirts, Taschen und Blech-Buttons.

Die Musik des neuen Stücks "Marilyn - Das Musical" stammt von den Schweizer Komponisten Olivier Truan und David Klein. Sie kombinierten eigene Songs und Chorszenen mit bekannten Monroe-Hits. Neben dem Orchester des Gärtnerplatztheaters spielte auch eine Jazzband auf. Die Monroe sei eine große Jazz-Liebhaberin gewesen, hatte Klein im Vorfeld der Premiere gesagt. Diese Leidenschaft präge auch den Ton der "swingenden" Komposition.

Farbenfroh und Temporeich

Die von Matthias Davids farbenfroh, temporeich und gelegentlich auch witzig inszenierte Handlung lief ab wie am chronologischen Schnürchen. Von der unglücklichen Kindheit der kleinen Norma Jean Baker, über ihre Karriere als Pin-up-Girl in Soldatenzeitungen bis zu ihrer Glanzzeit als weltbekannte Filmdiva und Sex-Ikone einer ganzen Generation und schließlich ihrem frühen Tod 1962 infolge einer Medikamentenvergiftung mit nur 36 Jahren. Trotz ihres Erfolgs wurde die Monroe zeitlebens von Selbstzweifeln und Depressionen heimgesucht. Ein riesiger Spiegel, der das Bühnengeschehen quasi verdoppelte, konnte als Metapher auf die gespaltene Persönlichkeit der Monroe verstanden werden.

Viele Menschen, die in Monroes kurzem Leben eine Rolle spielten, tauchen in der Inszenierung auf. Ihre drei Ehemänner - Ex-Footballer James Dougherty, Baseball-Star Joe DiMaggio und Bühnenautor Arthur Miller - der Produzent Lee Strasberg, die Jazzsängerin Ella Fitzgerald und US-Präsident John F. Kennedy, mit der die Bühnen-Monroe schweigend einen Pas des deux aufs Parkett legte.

Mit Abstand am meisten Applaus erhielt der Auftritt der schwarzen Sängerin Siggy Davis als Ella Fitzgerald, die mit Monroe-Darstellerin Anna Montanaro den unsterblichen Schlager "I wanna be loved by you" intonierte. Dem etwas zu lauten Orchester des Gärtnerplatztheaters unter Leitung von Andreas Kowalewitz gelang es hingegen leider nur selten, einen "swingenden" Musicalsound zu entwickeln.

Buhrufe und Jubel

Die beiden Komponisten mussten daher am Ende auch ein paar Buhrufe einstecken. Umjubelt wurden dagegen Anna Montanaro und Siggy Davis sowie Caroline Frank als Jean Harlow. Die Filmdiva der 30er Jahre, ein frühes Vorbild der Monroe, fungierte in dem Musical als eine Art dramaturgische Klammer und Alter Ego der zwischen Höhenflügen und Abstürzen hin- und hergerissenen Schauspielerin.

Ab Mai 2007 soll das zusammen mit der eigens gegründeten Marilyn Musical Productions-GmbH produzierte Stück auf Tournee durch deutschsprachige Länder gehen.

(afp)
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