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WDR-Zeitzeichen: 100 Prominente schreiben offenen Brief gegen das Aus der Geschichtssendung

Offener Brief an Intendant Buhrow : Prominente wehren sich gegen Aus von „Zeitzeichen“ und „Stichtag“ auf WDR2

Politiker, Künstler, kirchliche Vertreter und Journalisten setzten sich in einem Offenen Brief an den WDR-Intendanten Tom Buhrow für den Erhalt der Sendungen „Stichtag“ und „Zeitzeichen“ ein.

Das geplante Aus für den WDR-Stichtag schlägt weiterin Wellen: In einem offenen Brief an den Intendanten des WDR, Tom Buhrow, sprechen sich im „Kölner Stadt-Anzeiger“ zahlreiche Prominente für den Erhalt der täglichen Hörfunk-Sendung „Stichtag“ aus. „Der Programmausschuss des WDR-Rundfunkrats soll am 30. September das Aus für den Stichtag beschließen“, heißt es in dem Brief, der in der Dienstagsausgabe der Zeitung veröffentlicht wurde und sich auch an die Programmdirektorin NRW Wissen und Kultur, Valerie Weber, wendet. Die Unterzeichner, unter ihnen die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, TV-Moderator Günther Jauch und Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, bitten darum, diese Entscheidung nicht zu treffen und den „Stichtag“ weiter zu senden.

In der rund vierminütigen Sendung begegneten Hörerinnen und Hörern jeden Tag neu überraschenden historischen Ereignissen, Geburtstagen, Katastrophen und Skurrilitäten, heißt es in dem Schreiben, das von Wissenschaftlern, Politikern, Kirchenvertretern, Bildungsexperten, Schauspielern, Kabarettisten, Schriftstellern und Journalisten unterzeichnet wurde. Die vier Minuten lange Sendung auf WDR 2 und das noch ausführlichere „Zeitzeichen“ auf WDR 3 und WDR 5 erreichten in den Radiowellen und im Podcast jeden Monat weit mehr als eine Million Hörer. „In Zeiten von Fake-News, Verschwörungsfantasien und wachsender Demokratieverachtung wirken Stichtag und Zeitzeichen der gefährlichen Geschichtsvergessenheit entgegen“, erklären die „Freundinnen und Freunde von Stichtag und Zeitzeichen“.

Am Dienstagnachmittag stellte der WDR noch einmal klar, dass die Reihe „Zeitzeichen“ nicht beendet werde. „Geschichte hat in unseren Programmen ihren festen Platz. Deshalb will der WDR das längere und mehr in die Tiefe gehende 'Zeitzeichen' sichern - für unsere Radiowellen, aber auch für die ganze ARD im Digitalen“, so Valerie Weber, die Programmdirektorin. „Um die Finanzierung weiterhin zu ermöglichen, muss der WDR an anderen Stellen sparen und umstrukturieren. Beim kürzeren historischen Rückblick 'Stichtag' setzen wir deshalb künftig auf eine Kooperation mehrerer Landesrundfunkanstalten. So vermeiden wir bei bundesweiten relevanten Gedenktagen doppelte Arbeit und Ausgaben innerhalb der ARD. Damit können wir zugleich das 'Zeitzeichen' auf WDR 3 und WDR 5 in der bewährten Qualität weiterführen."

Initiiert hat den Brief der ehemalige WDR-Washington-Korrespondent Horst Kläuser. Auch prominente WDR-Journalistinnen und Journalisten haben unterzeichnet: Ü-Wagen-Legende Carmen Thomas, Sportreporter Manfred Breuckmann oder die ehemaligen Chefredakteure Helga Kirchner und Manfred Erdenberger. Auch Vertreter von Opfern des Holocaust, wie der ehemalige „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, heute Vorsitzender des Freundeskreises Yad Vashem, Christoph Heubner als Vizepräsident des Internationalen Auschwitzkomitees oder die Vorsitzende des Historikerverbandes Eva Schlotheuber befürworten den Verbleib des „Stichtags“ im WDR-2-Programm.