Von der Rheinoper nach Bayreuth

Von der Rheinoper nach Bayreuth

Axel Kober, Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein, wird 2012 in Bayreuth den "Tannhäuser" dirigieren. So ungewöhnlich ist das nicht. Viele Bayreuth-Pultstars haben ihre Karriere an den Häusern in Düsseldorf/Duisburg begonnen. Der berühmteste ist Carlos Kleiber.

Düsseldorf/Duisburg Eines Tages saßen sie da unten im Parkett der Leipziger Oper, die beiden Schwestern Katharina und Eva, und hörten ihm zu. Es war eine Aufführung der "Meistersinger". Auch ihr Vater, der greise Wolfgang, hatte ihn gehört, bei einem "Tannhäuser" in Dortmund; in Mannheim soll er ihm ebenfalls gelauscht haben, bei "Parsifal". Und dann kam irgendwann der Anruf aus dem Festspielhaus: "Wollen Sie 2013 in Bayreuth ,Tannhäuser' dirigieren?" Da fiel Axel Kober erst einmal die Kinnlade herunter. Dann ging ihm der Himmel auf. Dann sagte er zu.

Axel Kober ist seit 2009 Generalmusikdirektor (GMD) der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, vorher war er an jenen Instituten beschäftigt – Wagner war immer sein Ding. Er stammt aus dem fränkischen Kronach, wo es nach Bayreuth nicht weit ist. Schon als Bub habe es ihn zum Hügel gezogen, erzählt Kober, und er habe bei Proben zugeguckt – aber nie im Leben davon geträumt, dass er selbst einmal im mythischen Graben, in den keiner hineingucken kann, sitzen und dirigieren würde. Wird er dort Frack tragen oder, wie andere Dirigenten, zunächst kurze Hose und T-Shirt, weil es affenheiß ist? "Das weiß ich noch nicht, ich muss mir den Mikrokosmos Bayreuth erst angucken." Das ist klug.

Kober war ein typischer Kandidat für den Grünen Hügel: breite Wagner-Erfahrung mit verschiedenen Orchestern und Ensembles, immer gute Kritiken. Natürlich kennen ihn viele Bayreuth-Orchestermusiker aus den diversen Häusern, und sie werden das eine oder andere Wort der Empfehlung an höherer Festspiel-Stelle deponiert haben.

Mit seinem Engagement verlängert Kober eine schöne Tradition, die von der Rheinoper, einem Haus mit prächtiger Wagner-Quote, sozusagen direkt auf den Hügel führt. Schaut man nur die Nachkriegsdirigenten an, empfahl sich bereits der erste Düsseldorfer GMD – da gab es die Rheinoper noch nicht – alsbald als mehrfach sichere Bank für Bayreuth: Heinrich Hollreiser. Auch Opern-GMD Alberto Erede wurde in Bayreuth zunächst heiß gehandelt, brachte es aber 1968 nur zu einem einmaligen "Lohengrin".

Wesentlich lieber und länger hätte man in Bayreuth mit Carlos Kleiber gearbeitet, der am Rhein in sieben Kapellmeisterjahren ein höllisch vielseitiges Repertoire dirigiert hatte. Später wurde das Genie eigenbrötlerisch und dirigierte eigentlich nur noch, wenn der Kühlschrank leer war, dann aber zu gigantischen Tarifen. Da aber Bayreuth notorisch knauserig ist, auch bei Dirigenten, blieb es bei Kleibers dreijähriger "Tristan"-Serie. Fragt man Kober, wie denn die Gagen in Bayreuth heutzutage seien, so antwortet er sehr zögernd und listig: "Anderswo wird vielleicht ein bisschen besser gezahlt." In der Tat: In Bayreuth wirkt man um des Prestiges und um der Verehrung für Wagner willen mit, nicht aber, um Geld zu verdienen.

Die meiste Bayreuth-Erfahrung hat der mittlerweile 73-jährige Peter Schneider, der von 1968 bis 1978 Kapellmeister der Rheinoper war und bereits drei Jahre später mit dem "Holländer" eine beispiellose Karriere am Hügel begann: Er ist seitdem beinahe durchgehend beschäftigt; noch in diesem Jahr leitete er den "Tristan". Schneider hat am Hügel tatsächlich alle relevanten Werke dirigiert, mehrfach auch den "Ring des Nibelungen" – zur Vollständigkeit fehlen ihm nur "Meistersinger" und "Parsifal".

Einen Taktstrich weiter ist da schon Christian Thielemann, der es nach nur drei rheinischen Kapellmeisterjahren vorzog, GMD in Nürnberg zu werden. Seit er im Jahr 2000 mit den "Meistersingern" in Bayreuth debütierte, war er der erklärte Liebling von Vater Wolfgang und dessen Tochter Katharina Wagner – und blieb bis heute der Liebling des Auditoriums. Ihm fehlt nur noch "Tristan" zur finalen Weihe.

Nur einmal verlief der Weg umgekehrt: Hans Wallat hatte in den 70er Jahren in zwei Bayreuther Spielzeiten mitgewirkt – an die Rheinoper kam er, für zehn reife Jahre, erst 1988. Mittlerweile ist der 82-Jährige Ehrendirigent. Hojotohoo!

(RP)
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