Viersen feiert Jazz-Jubiläum

Viersen feiert Jazz-Jubiläum

Interview Der renommierte Jazz-Bassist Ali Haurand leitet seit 25 Jahren das Jazzfestival Viersen. Seit langem wird es maßgeblich von Sponsoren getragen. Neuerdings gibt es auch einen ganzen Jazztag für Kinder.

Herr Haurand, wer dem Jazzfestival Viersen zum runden Jubiläum gratuliert, muss auch Ihnen gratulieren: Sie planen es von Anfang an.

Ali Haurand Ja, vielen Dank — und im Nachhinein muss man sagen: Wir haben in vielen Dingen wirklich Glück gehabt. Oder anders gesagt: Wir haben es richtig gemacht. Im Jahr 1987 wollten wir eigentlich nur ein Konzert machen — und es waren die Stadt und der WDR, die uns zu einem mehrtägigen Festival ermunterten. Das tun sie bis heute.

Ist man in Viersen stolz auf dieses Jazzfestival oder nehmen es die Bürger eher am Rande zur Kenntnis?

Haurand Alle hier wissen es, dass es das Festival gibt, und viele kommen auch. Zugleich ist unser Publikum ebenso international wie das Angebot. Gucken Sie sich mal von morgen an die Autokennzeichen vor der Festhalle an!

Ach ja, was sieht man denn da so?

Haurand Holland. Belgien. Frankreich. Schweiz. Undsoweiter.

Die Stadt Viersen muss alljährlich, wenn man die Einnahmen abrechnet, nur 7000 Euro beischießen. Wie kommt das, wenn Sie doch einen Gesamtetat von knapp 200 000 Euro haben?

Haurand Durch Sponsoren wie die Bürgerstiftung der Stadtsparkasse Viersen, den Förderverein der Festhalle, die Brauerei Köstritzer, den Autobauer koda, die Niederrheinwerke. Die tragen den Löwenanteil des Etats und sind uns schon zum Teil lange treu. Ohne diese Treue wären wir aufgeschmissen.

Von Anfang an war auch der WDR mit Hörfunk und Fernsehen mit im Viersener Boot.

Haurand Ohne den und seine Mithilfe würde es gar nicht funktionieren. Diesmal hat sogar die BBC nach einem Mitschnitt gefragt. Und 3sat ist auch dabei.

Liest man sich durch die Geschichte des Festivals und die Liste der Künstler, fühlt man sich an wesentlich prominentere Veranstaltungen wie in Den Haag oder Newport erinnert.

Haurand Ja, ich bin auch ganz stolz, wen wir alles holen konnten: Chick Corea, Ron Carter, Freddie Hubbard, McCoy Tyner, Joe Henderson, Joe Zawinul, Stéphane Grappelli, Lee Konitz, Gary Peacock, Martial Solal, John Abercrombie — um nur ein paar zu nennen.

Ohne Ihre Verbindungen wären die aber nie gekommen — Sie sind ja selbst ein international begehrter Jazz-Kontrabassist!

Haurand Wenn man die Kollegen so gut kennt wie ich, kann man mit denen auch über Gagen reden.

In diesem Jahr haben Sie ein paar Leckerli dabei: Trombone Shorty, das European Jazz Ensemble, Barbara Dennerlein, Lisa Bassenge, Nils Landgren, die WDR Big Band, Eddie Daniels, Curtis Stigers. Wirklich sehr gemischt!

Haurand Ja, aber auf diese Mischung kommt es an. Ein elitäres Festival könnten wir uns gar nicht leisten, dann stünden wir schnell im Regen.

Neuerdings kümmern Sie sich auch um den Jazznachwuchs — mit Projekten und Konzerten für Kinder. Geht da auch jemand hin?

Haurand Wir waren am vergangenen Wochenende selbst überrascht, wie gut besucht unser Workshop mit dem Nachwuchs war.

Können Achtjährige jazzen?

Haurand Ach, auch die Kleinen begreifen schnell, dass die Kunst der Improvisation auch nur gewissen Gesetzen folgt. Wenn man die spielerisch erlernt, fluppt manches einfach wie von selbst.

Was haben die Kleinen denn gespielt?

Haurand Immerhin bekannte Standards wie "Watermelon Man" oder "Autumn Leaves". Wenn die jungen Leute kapiert haben, dass die Improvisation nach der Melodie und der Harmonie die dritte Sprache des Jazz ist, dann ist schon viel gewonnen. Vieles läuft zwar noch intuitiv — das ist jedoch keinesfalls verkehrt, sondern so gewollt.

Gibt es für solche innovativen Projekte besondere Unterstützung?

Haurand Das Land NRW fördert es wegen seines Pilotcharakters, zumal unsere Zusammenarbeit mit Stadt und Kreis, mit Schulen und der Kreismusikschule wirklich vorbildlich gut funktioniert.

(RP)
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