Urbane Künste Ruhr

Busfahrt an der Ruhr : Am Ruhrpott führt kein Weg vorbei

Das Projekt „Urbane Künste Ruhr“ zielt diesmal besonders auf Oberhausen.

Seit sieben Jahren gibt es jetzt die Ruhr.2010-Nachfolgeinstitution Urbane Künste Ruhr, die Kunst in den öffentlichen Raum des Ruhrgebiets bringt. Unter der neuen Leitung von Britta Peters ist ihr zum ersten Mal ein so zwingend gutes Programm gelungen, dass an einem Besuch des Ruhrgebiets kein Weg vorbei führt. Die im Format „Ruhr Ding: Territorien“ ausgestellten Arbeiten sind anregend und klug und beziehen sich immer auf Orte, die selbst Ruhrgebietsbewohner nie bemerkt hatten.

Zum Beispiel das Kino Europa-Palast, das Besucher über das schöne Café Transatlantik betreten: Seit Jahrzehnten wird das Architektur-Schätzchen aus den 1950er-Jahren hinter der unscheinbaren Hausfassade nicht mehr genutzt. Jetzt hat die Künstlerin Ariane Loze aus Brüssel für die alte Leinwand den neuen Kurzfilm „Nein Weil Wir“ geschaffen. Mit sich selbst in allen Rollen hat die 30-Jährige im Kino einen Schlagabtausch der Generationen inszeniert, in den prägnante Positionen einfließen  – Texte aus „Dantons Tod“, Günther Anders „Die Antiquiertheit des Menschen“ oder Paul Virilios Thesen zur Geschwindigkeit. Den Schritt von Gedankenkonzepten in die Handlung schaffen ihre Figuren allerdings nicht, obwohl draußen die Sintflut tobt.

Überhaupt hat Oberhausen die besten Arbeiten des Ruhr Dings abbekommen: Eine geniale Verbindung zu ihrem Ort schafft so auch Nicole van Harskamps Videoinstallation „Mein Name ist Sprache“ im Einwohnermeldeamt des Rathauses. Hier kommen Wartende und Kunstbesucher zusammen und sitzen zwischen drei Bildschirmen quasi zwangsläufig mitten in einer Diskussion über die Bedeutungen und Macht-Repräsentationen von Namen in verschiedenen Kulturen.

Im Vereinsheim, das der SC Oberhausen 1920 nächsten Monat aufgibt, stellt der schottische Künstler Roderick Buchanan Fotos aus seinem Profil in den Sozialen Medien aus, die ihn als Fußball-Verrückten outen. Noch spannender ist seine Arbeit draußen: Da hat er den Platz zum „Hexagon Pitch“ verwandelt, einem Fußballplatz für drei Mannschaften mit drei Toren, auf dem auch Turniere stattfinden sollen.

Weitere Werke des Ruhr Dings sind in Essen, Bochum und Dortmund zu erleben – auch über geführte „Irrlichter-Touren“ mit dem Fahrrad oder Nahverkehr, bei denen Verirren erwünscht ist. Einen unbedingten Tipp gibt es noch in Essen: Hans Eijkelbooms Fotoserie „Urbane Culture“ im Obergeschoss eines alten Möbelgeschäfts an der Lindenallee 93 zeigt Menschen aus den Innenstädten von Amsterdam, Düsseldorf und Mailand, immer in Paaren fotografiert, mit den immer gleichen T-Shirt-Moden: ein bissiger Kommentar zum nahen Einkaufszentrum am Limbecker Platz.

INFO bis 30. Juni bei freiem Eintritt. www.urbanekuensteruhr.de