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Umjubeltes Neujahrskonzert der Düsseldorfer Symphoniker in der Tonhalle.

Neujahrskonzert : Bravourstücke an der Violine

Umjubeltes Neujahrskonzert der Düsseldorfer Symphoniker in der Tonhalle.

Man weiß ja nie, was das neue Jahr so bringen wird; auch in die beste Sektlaune können sich schnell einige Sorgen einschleichen. Eins braucht einem aber normalerweise vorweg keine Sorgen zu machen: das Neujahrskonzert der Düsseldorfer Symphoniker in der Tonhalle. Da erwarten einen seit Jahren fröhliche, mitreißende Programme und beeindruckende musikalische Leistungen.

So auch dieses Mal, am Beginn des neuen Jahrzehnts. „Tanz das Neue“, lautete das Motto! Tanzrhythmen bestimmten die Musik, kombiniert mit Virtuosität. Beides gehört nicht notwendig zusammen, schließt sich aber keineswegs aus. Charakteristisch für den Tanz ist, dass es ihn überall auf der Welt gibt, dabei aber überall anders.

Wie es sich für einen Konzertsaal gehört, gab es nicht Tanzmusik pur, wohl aber tänzerische Motive und Rhythmen, die sich in rhapsodischen Konzertstücken wiederfinden. Nachdem die technischen Probleme des Kassencomputers gelöst waren, durften sich die Zuhörer in der – mit Ausnahme der Chorloge – ausverkauften Tonhalle über eine bunte Mischung verschiedener folkloristischer Elemente freuen: aus Böhmen und Ungarn genau so wie aus Frankreich und Argentinien.

Mit je drei slawischen Tänzen von Dvorak (Nr. 1, 2 und 7) sowie drei ungarischen von Brahms (Nr. 10, 1 und 6) ließen die Orchestermusiker keinen Zweifel daran, dass ihre persönlichen Silvesterfeiern nicht allzu wild ausgefallen sein konnten. Alle Gruppen des Orchesters präsentierten sich in Bestform und musizierten mit viel Temperament. Dazu animierte sie Gastdirigent Alpesh Chauhan mit unverbrauchter Frische. Dabei kam ihm allerdings – wie auch dem Violinsolisten Fumiaki Miura – sein noch junges Lebensalter zugute, beide Künstler haben den 30. Geburtstag noch vor sich.

Mit drei beliebten geigerischen Bravourstücken hinterließ Miura einen tadellosen Eindruck. Zunächst ließ er es ruhig angehen mit der Meditation aus der Oper Thaïs von Jules Massenet. Was sich über den Klängen der Harfe schon gleich wahrnehmen ließ, war seine intensive Tonbildung, zumal auf der tiefsten, der G-Saite.

Seine souveräne Technik stellte Miura dann in zwei virtuosen Reißern, Maurice Ravels Tzigane und Pablo de Sarasates Zigeunerweisen unter Beweis. Schnelle Passagen trug er in einem atemberaubenden Tempo vor, beispielsweise im Schlussteil der Zigeunerweisen. Mühelos bewältigte er die kompliziertesten Anforderungen: schnelle Läufe und Arpeggien, Stakkati, Pizzikati mit der linken Hand, hohe Lagen, Doppelgriffe und Flageoletts. Auch im Pianissimo entwickelte er einen intensiven Klang. Dass er dabei noch sehr gut zu hören war, ist auch ein Verdienst des Orchesters und seines Dirigenten, der seine Musiker nicht nur zu animieren, sondern auch zurückzuhalten verstand.

Auch wenn Alpesh Chauhan sehr temperamentvoll dirigierte, stellte er doch stets eine klare Zeichengebung in den Vordergrund. Die war mit Sicherheit fürs Orchester von großem Nutzen, denn es gab – vor allem in Alberto Ginasteras Tänzen aus dem Ballett „Estancia“ und in Zoltán Kodálys Tänzen aus Galánta, eine Fülle komplizierter Rhythmen zu bewältigen. Dabei zeichneten sich nicht nur die Schlagzeuger aus, sondern alle Gruppen des Orchesters. Ein Sonderlob verdienten sich die vorzüglichen Blechbläser, die Holz-Solobläser sowie Konzertmeister Dragos Manza für sein Violinsolo.

Wer bei Brahms‘ Ungarischen Tänzen den beliebten fünften vermisste, kam schließlich doch noch auf seine Kosten: nach begeistertem Beifall bei der schwungvoll gespielten Zugabe.