1. Kultur

Ulrich Tukur liest im Robert-Schumann-Saal aus "Moby Dick"

Literarische Lesung im Robert-Schumann-Saal : Ulrich Tukur knarzt und zetert, flüstert und schreit

Der Schauspieler macht die berühmte Jagd auf den weißen Wal „Moby Dick“ zu einem atemberaubenden Erlebnis für die Zuhörer – mit dramatischer Musik von Sebastian Knauer.

Was für ein packender Stoff. Und was für zwei wunderbare Künstler, die sich in der Reihe „Zweiklang“ für Rezitation und Musik zusammengetan hatten. Im Robert-Schumann-Saal las Ulrich Tukur Passagen aus Herman Melvilles Roman „Moby Dick“, stets im fein ausbalancierten Wechsel mit dem Klavierspiel von Sebastian Knauer.

Der 1851 erschienene Roman des amerikanischen Autors beschreibt die erbitterte Jagd nach dem weißen Wal Moby Dick. Der hatte einst Kapitän Ahab ein Bein abgerissen, jetzt soll er in einem Rachefeldzug getötet werden. Die Mannschaft des Walfängers „Pequod“ ahnt von Ahabs Besessenheit zunächst nichts. Schon gar nicht Ismael. Der ehemalige Landschulmeister heuerte als einfacher Matrose an, um seine Trübsal zu vertreiben - auf dem Meer, das ihn schon immer stark angezogen hat. Die Fahrt beginnt in Nantucket vor der Küste Neuenglands und erstreckt sich bei der rastlosen Suche nach Moby Dick über die Weltmeere. Bis südlich von St. Helena ein blendend weißer Höcker am Horizont erspäht wird. Ab da geht es um Leben und Tod. Sieger bleibt der weiße Wal. Mit der Wucht seines gewaltigen Leibes versenkt er die „Pequod“, Kapitän Ahab erdrosselt sich mit einer Harpunenleine und wird von seinem Widersacher unter Wasser gezogen. Nur ein einziger der Mannschaft überlebt das Inferno: Ismael, der Erzähler der dramatischen Geschichte.

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Ulrich Tukur versteht es vom ersten Moment an, das Publikum zu fesseln. Ein begnadeter Schauspieler, der bei seiner Rezitation in verschiedene Rollen schlüpft und dabei mit großer Lust die Stimme wechselt. Er knarzt und zetert, er flüstert und schreit. Tukur liest schnell, manchmal eine Spur zu schnell. Und wenn er laut wird, dann richtig. Überschlägt sich seine kraftvolle Stimme, dringt nicht jedes einzelne Wort durch. Aber das ist dann auch egal, es geht um die Stimmung, die vermittelt wird. Und die versteht und genießt das Publikum. Man sitzt da und muss nichts müssen. Bloß zuhören und sich mitreißen lassen von der wortmächtigen Geschichte. Genauso gern lauscht man dem Pianisten. Sebastian Knauer, erfahrener Begleiter von Rezitationen, hat seine Musik mit viel Gespür für die jeweiligen Textinhalte zusammengestellt: von Franz Liszt, George Gershwin, Antonio Vivaldi, Maurice Ravel, Modest Mussorgsky und Frédéric Chopin, dessen Etüde op 10 Nr. 12 (Revolutionary) den schauerlichen Höhepunkt der Katastrophe hörbar macht. Ein Erlebnis. Langer Applaus.