1. Kultur

Tonhalle: Das Orchestre Philharmonique de Radio France brilliert

Tonhalle : Das Orchestre Philharmonique de Radio France brilliert

Romantische Komponisten nähern sich meist der Vergänglichkeit, dem Tod sowie dem Taumeln am Abgrund. So schuf etwa der junge Richard Strauss mit der Tondichtung „Tod und Verklärung“ ein breites Klanggemälde rund um den Sterbeprozess.

Dieses und andere Werke mit Untergangsszenarien standen auf dem Programm des Heinersdorff-Konzertes in der Tonhalle. Das Orchestre Philharmonique de Radio France stand unter der Leitung des finnischen Dirigenten Mikko Franck (39).

Dass sich viele Weltklasse-Orchester wie die Berliner Philharmoniker und Chicago Symphony um den noch recht jungen Skandinavier reißen, wurde an dem Abend nur zu gut verständlich: Franck weiß zu zelebrieren, vermag tragkräftige Spannungsbögen zu bauen so weit wie die Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö. Die langen musikalischen Entwicklungen in „Tod und Verklärung“ erhielten durch Francks dramaturgisch kluges Dirigat eine festen inneren Zusammenhalt.

Dabei wählte der Dirigent gar kein besonders straffes Tempo, um Stringenz zu erzeugen. Auch für „La Valse“ von Maurice Ravel, eine gespenstisch-abgründige Karikatur des Wiener Walzers, nahm sich der Orchesterleiter Zeit, forderte dennoch von den Musikern eine sehr agile Artikulation.

Heraus kam dabei eine sehr plastische Darbietung voller Spannkraft. Und in der tumultartigen Schlusspassage ließ es das französische Orchester so richtig krachen. Mitreißend gelang auch das Eröffnungsstück: Paul Dukas’ „Zauberlehrling“ nach Johann Wolfgang von Goethe gleichnamiger Ballade. Markant gelingt vor allem das sarkastische Moll-Thema, bei dem die zu Leben erwachten Besen Unmengen Wasser schöpfen.

Zu einem weiteren Höhepunkten geriet der Soloauftritt der Cellistin Sol Gabetta in Mieczyslaw Weinbergs Cellokonzert c-Moll op. 43: Das selten gespielte Opus, das unter dem Eindruck des stalinistischen Terrors entstand, verbindet ernstes Moll mit kämpferischem Dur, Getragenes mit virtuoser Dramatik. Sol Gabetta lotete alle Tiefenschichten ihres Parts aus und fand auch zu einem eloquenten Dialog mit dem konzentriert musizierendem Orchester.

Für den starken Beifall bedankte sich die Cellistin mit dem sphärisch klingenden Solo „Dolcissimo“ von Peteris Vasks.