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Tapferer Gigant: Pianist Leon Fleisher ist tot

Nachruf : Tapferer Gigant: Pianist Leon Fleisher

Der große Pianist Leon Fleisher ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Mitte der 60er Jahre musste er für drei Jahrzehnte aussetzen, weil eine seltsame Krankheit ihn zwang, auf seine rechte Hand zu verzichten und nur Stücke für die linke zu spielen.

Es war kurz nach 14 Uhr, als eine Trauerwolke über die Autobahn von Salzburg ins Rheinland zog. Im Radio sagten sie, dass Leon Fleisher 92-jährig gestorben ist. Dann spielten sie Schumanns Klavierkonzert mit ihm und dem Cleveland Orchestra unter George Szell, die Jahrhundertaufnahme vom Januar 1960.

Und beim Hören dachte man: Was für ein großer Pianist, was für ein Schicksal! Ein paar Jahre später, Mitte der 60er Jahre, hatte Fleisher nämlich aussetzen müssen, für nicht weniger als drei Jahrzehnte, weil eine seltsame Krankheit ihn zwang, auf seine rechte Hand zu verzichten und nur Stücke für die linke zu spielen. Die Ursache war ein Musikerkrampf, ein tückisches Leiden.

In den 90er Jahren begann er eine Botox-Therapie, die ihn einigermaßen rehabilitierte, und bald veröffentlichte er, der grenzenlos Tapfere, eine zu Herzen gehende Platte mit dem vielsagenden Titel: „Two hands“. Leichte Stücke, unendlich wissend gespielt. Wir verneigen uns vor dem Pianisten mit den drei Leben. w.g.