Zwei Tanzstücke feiern Deutschlandpremiere beim Düsseldorf-Festival Tanz den Protest!

Düsseldorf · Das Düsseldorf-Festival bietet im September eine Reihe von ungewöhnlichen Tanzaufführungen. Zwei davon sind Deutschlandpremieren.

Szene aus der Tanzperformance „BLKDOG" beim Düsseldorf-Festival.

Szene aus der Tanzperformance „BLKDOG" beim Düsseldorf-Festival.

Foto: Camilla Greenwell/Düsseldorf-Festival

Sinnlich und virtuos sind Eigenschaften, die eher selten mit Hip-Hop in Verbindung gebracht werden. Es sei denn, es handelt sich um eine Produktion von Kader Attou und der Compagnie Accrorap aus Frankreich. Zu sehen sein wird ihre aktuelle Produktion „Prélude“ am 19. September beim Düsseldorf-Festival als eine von zwei Deutschlandpremieren im großen Theaterzelt am Burgplatz.

Seit 33 Jahren präsentiert das Festival hochrangige nationale und internationale Künstler. Dabei haben die beiden Festivalleiter Christiane Oxenfort und Andreas Dahmen immer den Blick für das Besondere und die kreative Vielfalt geschärft. Ob Jazz, Afro-Soul oder Clubbeats, atemberaubende und überraschende Akrobatik oder Rezitation – für jeden Geschmack ist auch diesmal wieder etwas dabei.

Tanzfans sollten sich neben Kader Attous „Prélude“ am 19. September aber noch einen weiteren Termin merken. Auch Muhammed Kaltuk und die Company MEK feiern eine Deutschlandpremiere. Sie stellen am 15. September „Father Politics“ vor, eine Tanzperformance, die die Vereinbarkeit von Streetdance und Aktivismus thematisiert. Damit ist das Stück extrem aktuell.

„Wir gehen nach den Corona-Jahren mit voller Power in das diesjährige Festival“, verspricht Festivalleiterin Christiane Oxenfort und gibt gleich noch einen Einblick in die Programmplanung: „Wir legen beim Tanz diesmal einen Schwerpunkt auf Hip-Hop und Urban Dance“, Co-Festivalleiter Andreas Dahmen ergänzt: „Besonders spannend wird die Produktion ‚BLKDOG“ von Botis Seva und der Kompanie Far From The Norm.“ Es sei ein intensives Stück, so Dahmen, „in dem es um Selbstentdeckung, Selbstzerstörung, Trauer und Traumabewältigung geht“, aber auch um „Empowerment und menschliche Stärke“. Mit diesen drei Tanz-Produktionen ist das Festival ganz nah am Puls der Zeit.

Die südfranzösische Cie. (Compagnie) Accrorap gründete sich auf Initiative des Choreografen Kader Attou. Er lud rund ein Dutzend professioneller Hip-Hop-Tänzer aus der Region ein, an seinem künstlerischen Universum mitzuwirken. Nach Düsseldorf kommt die gefeierte Formation mit einem sogenannten All-Terrain-Stück, das Hip-Hop-Dance an alltägliche Orte bringen will, an denen man ihn nicht erwarten würde. Im Theaterzelt am Burgplatz zeigen die Künstler eine Indoor-Version von „Prélude“ (zu sehen am 19. und 20. September, jeweils um 20 Uhr), als eine eindringliche Begegnung der intensiven Kompositionen von Romain Dubois und der sinnlichen Körperlichkeit der Tänzerinnen und Tänzer. Cie. Accrorap steigern dabei virtuos die Spannung durch ihre energiegeladene Performance bis zur erlösenden Befreiung als Höhepunkt.

Szene aus der Tanzperformance „Father Politics" bei Düsseldorf-Festival.

Szene aus der Tanzperformance „Father Politics" bei Düsseldorf-Festival.

Foto: Laura Gauch/Düsseldorf-Festival

Shooting-Star Botis Seva erzählt in „BLKDOG” von der Zeit des Erwachsenwerdens, von Zorn und Depression, aber auch von Momenten großer Zärtlichkeit und Humors. Der junge Londoner Choreograf stellt in seiner Arbeit existenzielle Fragen nach Verdrängung, Gewalt und früher Traumatisierung. Kein leichter Stoff, den sich Botis Seva da vorgenommen hat. Aber er hat auch eine Mission: Seva möchte seine Choreografien denjenigen widmen, die keine Stimme haben. Das Stück (zu sehen am 12. und 13.09, jeweils ab 20 Uhr) inszeniert er auf sehr persönliche Weise mit seiner Kompanie, die den vielsagenden Namen Far From The Norm trägt und sich dem experimentellen Hip-Hop verschrieben hat. „Ich möchte nicht, dass es eine fertige Version gibt“, betont Seva, deshalb entwickle sich das 2018 uraufgeführte Tanzstück seitdem kontinuierlich weiter. Den Titel hat er übrigens von Winston Churchills Ausdruck für dessen depressive Phasen entlehnt, die er als „Black Dog“ (schwarzer Hund) bezeichnete.

Auch Muhammed Kaltuk gibt der jungen, aktivistischen Generation mit seiner Company MEK eine authentische Stimme. Die vielfach ausgezeichnete Tanzsprache des Schweizer Choreografen mit türkischen Wurzeln bringt die verschiedenen Facetten des Streetdance auf die Bühne und feiert mit dem Stück „Father Politics“ (zu sehen am 15. und 16. September, jeweils ab 20 Uhr) in Düsseldorf Deutschlandpremiere. Darin demaskiert das Ensemble die Posen der Politik und stellt polarisierende Meinungsmache an den Pranger. Es konfrontiert sie mit der Wut, den Protesten und der Ohnmacht fehlender Mitsprache einer jungen Generation.

Dabei setzt Kaltuk mit seiner Company MEK auf multinationale Diversität, die sich auch in der Performance widerspiegelt, die Rap mit Protestliedern mixt und über den Tanz mitreißende Bilder einer Generation erzeugt, die voller Energie ist und endlich etwas bewegen will.