Aufführung im Tanzhaus NRW So aktuell sind Bachs „Goldberg-Variationen“

Düsseldorf · Michiel Vandevelde, Philippe Thuriot und die Genter Platform-K bringen „The Goldberg Variations“ in dieser Woche für zwei Aufführungen ins Tanzhaus NRW.

 So vertanzen die Akteure Bachs Meisterwerk; im Hintergrund spielt das Akkordeon.

So vertanzen die Akteure Bachs Meisterwerk; im Hintergrund spielt das Akkordeon.

Foto: Tom Callemin

Tanz, Musik, Politik. Und im Zentrum: Bachs berühmte „Goldberg-Variationen“. Mit der gleichnamigen Aufführung hat Choreograf und Tänzer Michiel Vandevelde eine Performance geschaffen, die konzeptionell wie tänzerisch außergewöhnlich ist.

Mit seinen Partnern Amanda Barrio Charmelo und Oskar Stalpaert sowie der Genter Platform-K formt Vandevelde ein Trio, dessen Aufführung Tanz vor aktuellen und vergangenen globalen Herausforderungen sieht. Die Choreografie mutet dabei teils anmutig und elegant, teils hektisch, oder sogar aggressiv an. Improvisationstanz trifft dabei auf sorgfältig abgestimmte Bewegungen.

Begleitet wird die Aufführung nicht etwa von Streichern oder einem Klavier. Stattdessen untermalt Philippe Thuriot mit einer Akkordeonfassung von Bachs Klassiker die Bewegungen des Trios. Eine spannende, ungewöhnliche Instrumentenwahl, die es dennoch schafft, Gefühle zuwecken und fast traurig stimmt, als die ersten Takte erklingen. Thuriot sitzt dabei vor einer Leinwand, die Aufnahmen von Straßendemonstrationen zeigt und nach wenigen Minuten – begleitet vom plötzlich ansteigenden musikalischen Tempo Thuriots – visuellen Raum bietet für das Trio, das sich mit starken Armbewegungen fast pireouettenartig seinen Platz im Lichtkegel der Bühne zu erkämpfen scheint. Zwischendurch und immer wieder: Video-Sequenzen.

Alle drei Künstler stellen sich separat dem Publikum vor, erzählen von ihrem Werdegang und ordnen das Stück in den gesellschaftspolitischen Kontext ein. Anhand der Video-Einspieler schildern sie das Konzept. Man stelle Fragen, statt zu antworten, heißt es darin. Wie wird Kunst vom soziopolitischen Kontext beeinflusst? Wie demokratisch, wie zugänglich ist Tanz heute?

Der Wechsel von schwarzen Hosen und nahezu freien Oberkörpern hin zu weißen, bunten, fließenden Gewändern aus transparentem Material symbolisiert einen Wandel: von der Vergangenheit hin zur Zukunft.

Info „The Goldberg Variations“ am Donnerstag, 13. Oktober, und Freitag, 14. Oktober, jeweils 20 Uhr im Tanzhaus NRW. Karten: 18 Euro.

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