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"Sunny"-Komponist Bobby Hebb gestorben

"Sunny"-Komponist Bobby Hebb gestorben

Nashville Bobby Hebb ist tot. "Bobby wer?", werden sich manche fragen. Doch spätestens, wenn die erste Zeile seines berühmtesten Songs ertönt, weiß jeder, wer gemeint ist. "Sunny, yesterday my life was filled with rain . . ." – ja, Bobby Hebb hat "Sunny" geschrieben, eines der erfolgreichsten und meist gecoverten Lieder der Popgeschichte, gegen das das weitere Schaffen eines Songschreibers nur abfallen kann. Die Geschichte eines der schönsten, eingängigsten und vor allem optimistischsten Welthits beginnt mit zwei Todesfällen: Am 23. November 1963, einen Tag nach der Ermordung John F. Kennedys, wurde Bobbys Bruder Harold bei einer Messerstecherei vor einem Club in seiner Heimat Nashville getötet. Bobby und der sechs Jahre ältere Harold waren zwei von acht Kindern eines blinden afroamerikanischen Musiker-Ehepaars aus Nashville. Noch bevor er zur Schule ging, stand der 1938 geborene Bobby mit seinem Bruder in Musik-und-Tanz-Shows auf der Bühne.

"Sunny", das Hebb als lebensbejahende Antwort auf die tragischen Todesfälle geschrieben hatte, kam erst 1966 auf den Markt und wurde schnell ein Hit. Ihm selbst brachte es 1966 einen Chart-Hit und Auftritte im direkten Vorprogramm der Beatles. Der Bekanntheitsgrad des Songs wuchs rasant durch eine schier unendliche Fülle von Coverversionen: Frank Sinatra, Ella Fitzgerald oder James Brown sangen ihn ebenso wie die Schauspieler Robert Mitchum und Leonard Nimoy. Boney M. erreichten mit einer Disko-Version 1976 Platz eins der deutschen Charts. Bobby Hebb selbst fror seine Musik-Karriere nach dem Album "Love Games" 1970 ein. Erst Anfang des neuen Jahrtausends, als das deutsche Label Roofmusic zwei Sampler mit "Sunny"-Covern herausgab, erschien er wieder auf der Bildfläche, gab feine Konzerte in kleineren Hallen wie dem Düsseldorfer Unique Club und nahm 2005 ein Album mit deutschen Musikern aus dem Umfeld des Frank-Popp-Ensembles auf.

"That's All I Wanna Know" enthält neben "Sunny" auch funkige Neueinspielungen von "A Satisfied Mind" und "Love Love Love". Hier hört man einen Mann, dessen Soulstimme an den späten Ray Charles erinnert. Einen Mann, der zwar nie mehr, aber auch anderes konnte als "Sunny" – den Song, der ihn zum unsterblichen One-Hit-Wonder gemacht hat. Am 3. August starb Bobby Hebb kurz nach seinem 72. Geburtstag im Kreise seiner Freunde in Nashville an Lungenkrebs.