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Mülheim: Stücke über Missbrauch bei Mülheimer Theatertagen

Mülheim : Stücke über Missbrauch bei Mülheimer Theatertagen

Ruhr Die Taten sind so ungeheuerlich, dass es die Sprache verschlägt. Doch das Theater will Worte finden, will darüber sprechen, warum Missbrauch in der Gesellschaft geschieht, warum wehrlose Kinder Opfer werden. So sind in jüngster Zeit zahlreiche Stücke entstanden, die sich mit dem Fall Kampusch beschäftigen oder mit dem Schicksal des kleinen Pascal, der in Saarbrücken von Stammgästen einer Kneipe missbraucht und vermutlich ermordet wurde. Das spiegelt nun auch die Auswahl der Dramen für die Mülheimer Theatertage: Drei der acht Stücke, die diesmal um den Mülheimer Dramatikerpreis konkurrieren, greifen Missbrauchsfälle auf: Die Schweizerin Katja Brunner nimmt in "Von den Beinen zu kurz" radikal die Opferperspektive ein, Franz Xaver Kroetz lässt in "Du hast gewackelt. Requiem für ein liebes Kind" die Täter ein entlarvendes Lamento anstimmen, Elfriede Jelinek hat in "FaustIn and out" Goethe feministisch bearbeitet und landet bei den Fällen Kampusch und Fritzl. Die Nobelpreisträgerin ist damit zum 16. Mal zu Gast bei den Mülheimer Theatertagen, bereits vier Mal hat sie den mit 15 000 Euro dotierten Dramatikerpreis gewonnen.

Auch etablierte Dramatiker wie Moritz Rinke, Felicia Zeller und Nis-Momme Stockmann sind wieder zu Gast. Mit Marianna Salzmann ist ferner eine junge Dramatikerin geladen, die aus Russland eingewandert ist, also nicht in ihrer Muttersprache schreibt, in ihren Stücken aber virtuosen Sprachwitz entfaltet. Das Thema Migration und Identitätssuche beschäftigt auch Azar Mortazavi, die genau wie Salzmann in Hildesheim studiert hat und heute in Berlin lebt. Beide Autorinnen stehen für eine neue Autorengeneration, die sich lakonisch und unsentimental mit Fragen wie Integration in Deutschland beschäftigt. Vom 11. bis 31. Mai ist diese Auswahl aktueller Dramatik in Mülheim zu besichtigen.

(RP)