Köln: Studentenverbindung "Rheinland" wird 100

Köln: Studentenverbindung "Rheinland" wird 100

Die Kölner Verbindung vertritt katholische Werte – und musste darum um ihre Gründung ringen.

Die kirchenfeindliche Stimmung ihrer Zeit fanden sie bedenklich und wollten ihr etwas entgegensetzen. Darum machten sich um 1903 in Köln ein paar Studenten und ältere Herrn daran, eine konfessionelle Studentenverbindung zu gründen – die Katholische Deutsche Studentenverbindung Rheinland. Dieser akademische Zusammenschluss sollte religiös geprägt, aber nicht schlagend sein. Die Mitglieder fanden keinen Gefallen daran, sich im Fechtkampf zu messen und mit Narben, den sogenannten Schmissen, zu brüsten. Lieber sollte man sie an ihren Grundsätzen erkennen: Glaube, Wissenschaft, Freundschaft und Vaterland.

Vor allem mit ihrer Treue zum Katholizismus stießen die Gründer der Verbindung allerdings auf Schwierigkeiten, mussten lange um ihre Anerkennung bei der Universität ringen. Doch unter der Auflage, ihren Katholizismus nicht zu sehr zu betonen, konnte die "Akademische Verbindung Rheinland" im Juni 1913 ihr Stiftsfest feiern. Und weil das nun 100 Jahre her ist, die Verbindung den Ersten Weltkrieg, ihr Verbot in der Zeit des Nationalsozialismus, später die Anfechtungen durch die Studentenbewegung überstanden hat, wird von heute an in Köln gefeiert – mit Zusammenkünften, Gala-Ball und einem Festgottesdienst am Sonntag.

250 Mitglieder hat die Verbindung heute, 14 Studenten bilden die Aktivitas, der Rest die Altherrenschaft, jene also, die einst als Studenten in Köln in die Verbindung eintraten, heute im Berufsleben stehen oder schon in der Zeit danach. So wie Volkmar Friemel, Philistersenior – Vorsitzender der Altherrenschaft. Seit 60 Jahren trägt der Unternehmer die Verbindungsfarben Grün-Weiß und hat gelernt, Vorbehalte gegenüber Verbindungen zu parieren. Vor allem die Vaterlandstreue wird auch katholischen Verbindungsmännern oft als rechte Gesinnung ausgelegt. "Treue zum Vaterland hat bei uns aber nichts mit Nationalismus zu tun", sagt Friemel, "wir leiten daraus die Pflicht ab, uns als Bürger im Staat zu engagieren."

Auch die katholische Bindung sei vor allem die Verpflichtung, Caritas zu üben; viele Mitglieder der Rheinland engagierten sich in ihren Gemeinden und versuchten, als Richter, Ärzte oder wo immer sie das Studium hingeführt hat, nach christlichen Maßstäben zu handeln. "Diese klare Orientierung stiftet Zusammenhalt", sagt Jürgen Axer, der seit 48 Jahren der Rheinland angehört. "Man lernt in einer Verbindung, Verantwortung zu übernehmen, Stehvermögen zu entwickeln, frei zu sprechen", sagt Axer, "und man gewinnt Freunde für die guten wie die schlechten Zeiten, darum bleiben die meisten Mitglieder ihrer Verbindung ein Leben lang treu."

Das muss sich bei Raphael Schorlemer noch erweisen. Vor einer Woche erst wurde er "geburscht" – auf Lebenszeit in die Verbindung aufgenommen. Über die Uni ist der Jura-Student (24) in Kontakt gekommen, inzwischen wohnt er im Verbindungshaus in Köln-Lindenthal und hat erste Aufgaben übernommen: Schriftführer. Auch er kennt die Vorbehalte gegenüber Verbindungen: Klüngel, Zechgelage, Gesinnung.

"Ich trink nicht gern, und rechtes Gedankengut hat bei mir keine Chance", sagt Schorlemer, "aber in einer Verbindung kann man gute Freude gewinnen, und zwar außerhalb des eigenen Fachs, das finde ich spannend." Zimmerkollege Thomas Borchert (23) studiert Business Administration und wird als Vorsitzender der Aktivitas durch eine der anstehenden Festversammlung führen. Eine Ehre sei das, findet Borchert, und eine Gelegenheit, sich auf einer Bühne zu erproben. Die Altherren klopfen ihm auf die Schulter – auch ohne Degen gibt es bei der Rheinland Bewährungsproben zu bestehen.

(RP)
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