„Wonderwalls“ im Forum NRW Barack Obama trifft die Ninja Turtles

Düsseldorf · Das NRW-Forum versammelt für die Ausstellung „Wonderwalls“ das internationale Who is Who der Urban-Art-Szene. Dafür hat der Düsseldorfer Unternehmer Selim Varol seine Sammlung von Street Art und Designer-Toys zur Verfügung gestellt.

 Das berühmte Plakat von Shepard Fairy für Barack Obama.

Das berühmte Plakat von Shepard Fairy für Barack Obama.

Foto: Shepard Fairey: OBAMA HOPE, Canvas, courtesy the artist & Collection Selim Varol

Spektakulär ist das, was derzeit im NRW-Forum zu sehen ist. „Wonderwalls – Arts & Toys“ heißt die Ausstellung, die noch bis zum 5. Februar 2023 zu sehen ist. Es ist eine einzigartige Sammlung urbaner Kunst, und sie wurde vom Düsseldorfer Unternehmer Selim Varol innerhalb von drei Jahrzehnten zusammengetragen. Das Haus bietet ein buntes Kaleidoskop aus Street Art, Graffiti, Designer-Toys, Skulpturen, Grafikdesigns und Fotos von Szenegrößen wie Shepard Fairey, Swoon und JR, Mark Gonzales, KAWS und Banksy. Es ist kurz gesagt die Kunst der unmittelbaren Gegenwart.

Bunt, frech, oft politisch und vor allem auf den Punkt, so präsentiert das NRW-Forum die Show und inszeniert sie gleichzeitig als Gesamtkunstwerk. Barack Obama trifft auf Mr. Spock, Basketbälle haben ein Gesicht und Ikonen der Pop-Kultur wie Yoko Ono, Angela Davis oder Che Guevara bekommen ihre Gedenkwand. Die Schau ist gleichzeitig ein Streifzug durch die Geschichte der Street Art, die in der New Yorker Bronx Anfang der 1970er ihren Ursprung hat. Bis in die 2000er hinein reicht die Bandbreite der Werke, die oft Kommentare zur aktuellen sozialen oder politischen Lage waren und bis heute sind.

Die Künstler nutzen für ihre Botschaften und Einlassungen Mauern, Brückenpfeiler und Straßen als Projektionsflächen. Ihre Aktionen sind oft illegal, und obwohl sie vielfach anonym bleiben, haben es nicht wenige zu internationaler Bekanntheit gebracht. Banksy ist dafür wohl das prominenteste Beispiel. Der britische Künstler und Aktivist schafft es immer wieder, mit seinen Statements weltweit für Aufmerksamkeit zu sorgen. Legendär ist die Aktion, für die er sein Werk „Girl with balloon" während der Auktion schreddern ließ.

Die US-Amerikanerin Swoon engagiert sich seit den 1990ern für den Umweltschutz und befasst sich in ihren Arbeiten immer wieder mit sozialen Themen. Für ihre großformatigen Illustrationen recycelt sie Zeitungspapier, das sie zunächst in ihrem Atelier vorbereitet, bevor es in Industriebrachen, verlassenen Häusern oder an Brücken geklebt wird.

Street Art, das aber nicht nur Botschaft, sondern auch Humor. Frech, manchmal schrill und überbordend, wenn es um kreative Umsetzungen geht. Da werden bemalte Skateboards zum Gesamtkunstwerk, die Ninja Turtles und „Star Wars“-Figuren zur Collage. Konsumkritik und Infragestellung des Umgangs mit Plastik sind ebenso zu finden, wie Kommentare zu Krieg, Hass und Rassismus. Beispielsweise mit einem mit Spielsachen vollgestopften Kinderzimmer als Installation und einer Collage aus Plastikpistolen.

„Wonderwalls“ bildet die Vielfalt einer vitalen und im besten Sinne nervösen Szene ab, die sich seit den 1970ern kontinuierlich weiterentwickelt und in immer neuen Ausdrucksformen aufgefaltet hat. Die 2000er brachten in Frankreich beispielsweise eine neue Urban Art Generation hervor. So entstanden Serien wie „Portrait d’une Generation“, die sich mit der Jugendkriminalität in den Banlieues auseinandersetzt. Für die Reihe „Face 2 Face“ ließen sich Geistliche aus Israel und Palästina porträtieren.

Natürlich darf bei so einer Schau auch Shepard Fairey nicht fehlen, Gründer des kapitalismuskritischen Street-Wear-Labels „Obey“. Er unterstützte Barack Obama und entwarf dessen Wahlkampfplakat. Seine T-Shirts und bemalten Skateboards sind Kult.

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