Eine Frage des Stils Hemd aus der Hose oder lieber nicht?

Düsseldorf · Männer, die es lässig lieben, zeigen gerne auch mal ihre Hemdzipfel. Das ist nicht immer eine gute Idee.

Hemd in die Hose stecken oder lieber nicht? Eine Stilfrage
Foto: Ronny Hendrichs

"Ich finde es unmöglich, wenn Männer ihr Oberhemd über der Hose tragen. Für mich ist das eine Stilfrage", schreibt uns Leserin Ursel Z.

Für uns auch! An den heißen Tagen dieses Sommers haben wir sie nämlich auch wieder zuhauf gesehen: Männer jeden Alters, die eins gemeinsam hatten - das Hemd aus der Hose. Unsereiner hat noch den elterlichen Tadel und erst recht den der Großeltern im Ohr, wenn dem so war (was öfter vorkam). Und genau hier liegen vermutlich die Wurzeln jenes jugendlichen-rebellischen Reflexes, sich über die steife Etikette der Altvorderen hinwegzusetzen und mit dem Hemd auch eine Haltung heraushängen zu lassen: Wie bin ich doch cool.

Nun sind die Sitten inzwischen sehr viel lockerer geworden, und man hört kaum noch die Frage: "Darf ich ablegen?", wenn sich ein Gentleman seines Jacketts entledigen möchte, der noch wusste, dass das Oberhemd in der guten alten Zeit zur Unterwäsche zählte - die es zu verbergen galt. Im Büro tragen sie heutzutage immer weniger Anzug und Krawatte. Aber noch sind wir nicht so weit, radikaler zu werden: Das Hemd darf hier auf keinen Fall unterhalb des Gürtels sichtbar sein - dieser Look ist eindeutig der Freizeit vorbehalten. Wer es da besonders lässig mag, möge bedenken, dass durchaus ein Unterschied besteht, ob sich ein junger Hüpfer oder ein schon etwas reiferes Exemplar von Mann auf diese Weise unter die Leute begibt.

In Wahrheit machen sichtbar getragene Hemdzipfel aus alten Zauseln nämlich nicht wirklich überzeugende Draufgänger. Viel eher laufen sie Gefahr, als Berufsjugendliche wahrgenommen zu werden. Was gar nicht geht: Ein zuvor in der Hose getragenes Hemd später heraushängen zu lassen. Das sieht dann aus, als habe der jeweilige Besitzer sein Leben nicht im Griff. Nein, wenn das Hemd schon aus der Hose lugt, sollte es unbedingt gebügelt und am besten auch etwas tailliert sein, damit das Ganze nicht zeltartig wirkt.

Apropos Zelt: Wer über einen mehr oder weniger ausgeprägten Bauchansatz verfügt, sollte sich die Sache dreimal überlegen. Ein nicht zu fest in die Hose gestecktes Hemd kaschiert eine gewisse Fülligkeit erheblich besser. Schließlich existiert noch jene Variante, das Hemd unter dem Pullover aus der Hose herauslugen zu lassen, was definitiv verunglückt wirkt, weil es nicht nur irgendwie an die Zipfel einer vergessenen Schürze erinnert. Es ist dann auch eindeutig nicht gerade warm, was ja den eigentlichen Grund für den lockeren Kleidungstil ausmacht.

Noch immer gilt: Wer sein Hemd ordentlich in die Hose steckt, kann überhaupt nichts falsch machen. Wer es nicht tut, deutlich mehr.

Haben Sie eine Stilfrage? Schreiben Sie uns: stilfrage@rheinische-post.de

(bew)
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