Köln: Sternsinger, wo seid ihr gewesen?

Köln: Sternsinger, wo seid ihr gewesen?

Es ist nicht ganz leicht, einen Termin mit den Heiligen Drei Königen von der Kirche zu bekommen.

Die Winterzeit hat im kirchlichen Kalender immer ihren ganz eigenen Reiz. Wenn es draußen früh dunkel wird, präsentieren die Kirchen - und besonders die katholische - seit alters her ihre Lichtblicke. Es beginnt mit dem Martinsfest am 11. November, dann folgen der Advent und der Nikolaustag, bevor der Heiligabend endgültig unsere Gemütslage in Beschlag nimmt. Den Abschluss bildet das Dreikönigsfest, als Fest der Erscheinung immerhin einer der höchsten Feiertage der Christenheit.

Dazu passt der Brauch der Sternsinger, die einst ungefragt an jeder Tür klingelten, ihre Lieder sangen ("Wir kommen daher aus dem Morgenland . . .") und um Spenden für die Mission baten. In unserer säkularisierten Welt kommen sie leider nur noch auf Bestellung - auch in der katholischsten Metropole Deutschlands, in Köln. So auch für meine Familie. Da ich zwischen Weihnachten und Neujahr arbeiten musste, versuchte ich, die Sternsinger telefonisch zu bestellen. Eine nette Aufforderung dazu steht auf der Webseite meines Kölner Seelsorgebereichs: "Wir kommen gerne. Rufen Sie uns einfach an." Das tue ich und erreiche eine freundliche Bürokraft. Leider ist die Dame innerhalb des Seelsorgebereichs für die Nachbargemeinde zuständig. "Nein, Ihre Bestellung kann ich leider nicht entgegennehmen. Sie müssen schon in ihre eigene Kirche gehen. Dort liegen die Listen aus, in die Sie sich eintragen können." Die Kirche sei übrigens werktags von 15.30 bis 17.30 Uhr eigens dafür geöffnet (früher standen die Gotteshäuser Betern und Besuchern durchgängig offen).

Der kurze Spaziergang von 15 Minuten tut Geist und Seele gut. Ich betrete also die Kirche, ein neoromanischer Prachtbau, allerdings völlig verdunkelt. Ich entdecke zwar die Listen, kann sie aber nicht lesen, bis ein freundliches Gemeindemitglied, das Krippenwache in der Kirche hält, mir Licht macht. Die Samstagsliste ist schnell gefunden, ich trage mich mit Telefonnummer ein, hier hätten wir den ganzen Tag Zeit. Fünf Tage später erhalte ich dann den Anruf, dass die Sternsinger leider nicht am Samstag in unsere Straße kommen könnten. "Die Gruppe ist dann in ganz anderen Straßenzügen", sagt wiederum eine freundliche Stimme. Nur am Freitagnachmittag gebe es noch ein Zeitfenster. "Da muss ich leider arbeiten", antworte ich. "Dann können wir nichts machen. Das nächste Jahr müssen wir das anders organisieren. Aber Sie können ja in den Gottesdienst mit allen Sternsingern am Sonntag kommen."

Aus der Segnung meines Hauses wurde also nichts. Dafür besuchte ich den Gottesdienst, wo in der halb gefüllten Kirche ein Priester Mitte 80 die Messe zelebrierte, sichtlich gezeichnet von einer Krankheit. Vier Mädchen, die als die drei Könige verkleidet waren, brachten das Programm der Sternsinger noch einmal liebevoll zur Aufführung. Mit der geweihten Kreide schrieben sie schließlich den Segensspruch für 2018 an die Kirchentür, leider nicht an meine. Ich werde mir das nächste Mal die ganze Woche freinehmen.

(kes)
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