DiVision 20-7 inszeniert missglücktes Hitler-Attentat: Stauffenbergs Werk und Teufels Beitrag

DiVision 20-7 inszeniert missglücktes Hitler-Attentat : Stauffenbergs Werk und Teufels Beitrag

Berlin (rpo). Sechzig Jahre nach dem missglückten Attentat auf Hitler und pünktlich zum Stauffenberg-Jahr kam im Berliner Schiller Theater am 30. Mai das Projekt "Stauffenberg - Die Tragödie des 20. Juli 1944" auf die Bühne.

Es gibt zahlreiche Beiträge über Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dem bekanntesten einer Reihe von Hitler-Attentätern. Sechs Jahrzehnte nach Bombenattentat und gescheitertem Putsch versucht das Theaterstück unter der Schirmherrschaft von Verdi-Chef Frank Bsirske, "Wege aus der Ohnmacht" aufzuzeigen.

Das Grußwort Bsirskes verspricht zunächst einen interessanten Theaterabend. Der Gewerkschafter richtet den Fokus auf die beiden Sozialdemokraten Julius Leber und Wilhelm Leuschner, die beide zum engen Kreis der Attentäter gehörten, eine wichtige Rolle in der Zeit nach Hitler spielen sollten und wie Stauffenberg nach dem missglückten Attentat hingerichtet wurden. Leber und Leuschner sind vergleichsweise unbeleuchtete Figuren im Reigen der Widerständler, ihre Betrachtung im Rahmen eines Theaterabends wäre spannend gewesen.

Im Stück selbst werden die beiden allerdings nur knapp am Rande erwähnt. Stattdessen startet Autor David Sternbach eine tiefenpsychologische Deutung der Vorgänge - nach der Lehre von Carl Gustav Jung. Seit Jahren versuche er schon, den Krieg und die Vätergeneration besser zu verstehen, erklärt er das in einem im Programmheft abgedruckten Interview. "Dabei war mir aufgefallen, dass die psychischen Hintergründe des Nationalsozialismus noch nicht ins öffentliche Bewusstsein gedrungen waren."

Gott und Teufel

Es gehe darum, die inneren Dynamiken von Gott und Teufel zu verstehen, lässt Sternbach seine Zuschauer noch wissen. Folgerichtig ist der von Uwe Meyer gespielte, schwarz gekleidete Hitler der Teufel. Stauffenberg, dargestellt von Robert Wolfram, wird zwar nicht zum Gott hochstilisiert, doch in seiner weißen Uniform fehlt ihm dazu nicht viel. Etwas mehr Distanz zu Stauffenberg hätte Sternbach und dem Regisseur des Stücks, Klemens J. Brysch, gut getan.

Zumindest problematisch ist die Ausgestaltung der Hitler-Figur. Schauspieler Meyer ist sehr klein von Statur, aus Hitler wird ein Männchen mit Machtverdrossenheit, das verzückt die Liebesbriefe seiner Eva liest und sich nach einem "normalen Leben" sehnt. Auf der Alm bei einer Flasche Bier und einem Vesperbrot fasst Hitler seinem Vertrauten homoerotisch verzückt ans Bein - eine tiefenpsychologische Betrachtung ist das nicht. Am 31. Juli und 1. August soll das Stück am Ort des Attentats, im "Wolfsschanze" genannten Hauptquartier Hitlers aufgeführt werden. Der Ort liegt im heutigen Polen.

Die Geschehnisse im Detail

Das eigens gegründete Ensemble "DiVision 20-7" liefert mit dem Stück einen detaillierten Abriss der Geschehnisse. So genau wie nach Faktenlage möglich, werden die Vorbereitungen, der Attentatsversuch und die Wirrnisse nach der Explosion geschildert. Besonders die Unsicherheit der Attentäter darüber, ob Hitler wirklich tot ist, und ihr Versuch, vom Bendlerblock aus die Operation "Walküre" und damit die Machtübernahme anzuschieben, ist gut gespielt und dramaturgisch gelungen.

Sternbach heißt eigentlich Diether Lorenz, er ist Jahrgang 1939 und war Journalist sowie Funktionär der IG Medien (heute verdi). Der Künstlername sei nicht nur "als eine Anbindung an einen weiter aufgefächerten Familienzusammenhang" - eine Ururgroßmutter hieß Sternbach, eine jüdische angeheiratete Verwandte wurde in Auschwitz ermordet - zu verstehen, sondern auch als eine symbolische Geste des Respekts gegenüber dem jüdischen Volk, heißt es in seiner Kurzvita. Das Stück schrieb er vor mehr als 20 Jahren.

"Stauffenberg - Die Tragödie" läuft noch bis Ende Juni in Berlin und soll dann in Polen und mehreren deutschen Städten gezeigt werden. Fest stehen als Spielorte nach Veranstalterangaben die Wilhelm-Leuschner-Gedenkstätte in Bayreuth sowie das Gelände des ehemaligen "Kraft-durch-Freude"-Bades Prora auf Rügen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "DiVision" zeigt "Stauffenberg - Die Tragödie des 20. Juli 1944".

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