Los Angeles: "Star Wars"-Darstellerin Carrie Fisher ist tot

Los Angeles : "Star Wars"-Darstellerin Carrie Fisher ist tot

Die Schauspielerin wurde in den 70ern als Prinzessin Leia zum Star. Sie starb an den Folgen eines Infarkts.

Wenn es so etwas wie die mystische Macht, jenes alles durchdringende Energiefeld aus der "Krieg der Sterne"-Saga wirklich gibt, dann wurde diese Macht gestern erschüttert. Von einer Welle der Trauer. Als Millionen Menschen die Nachricht erreichte, dass Carrie Fisher gestorben ist.

Für die Fans war sie als Prinzessin Leia eine Ikone der großen "Star Wars"-Saga - und ein Vorbild. In ihrer Rolle war sie eine starke Persönlichkeit, eine Anführerin, die selbstbestimmt ihren Weg zwischen den großen Helden wählte -und die doch Wärme und Verletzlichkeit im "Krieg der Sterne" ausstrahlte, als sie 1977 zum ersten Mal die Rolle der Prinzessin Leia übernahm.

Damals war Fisher gerade erst Anfang 20 und völlig überfordert mit dem, was der Erfolg des "Kriegs der Sterne" mit sich brachte. Ohnehin war sie alles andere als eine gefestigte Persönlichkeit - als Tochter des glamourösen Schauspieler-Ehepaares Debbie Reynolds und Eddie Fisher, das sich trennte, als sie zwei Jahre alt war. Ihr Vater verließ die Familie für Elizabeth Taylor, was sie ihm nie verzeihen sollte. Als geborenes Mitglied des Hollywood-Adels musste sie aber die Rolle der lieben Tochter spielen und natürlich in die Fußstapfen der damals übergroß wirkenden Mutter schlüpfen. Ihr großes Pech war dann aber das, wofür sie die Fans lieben sollten: die Rolle der Prinzessin Leia.

Puppen mit ihrem Gesicht zwangen ihr eine Rolle auf, die keinen Raum für die wahre Carrie Fisher ließ. Der Druck entlud sich in Drogen- und Alkoholeskapaden, in Depression und Tablettenabhängigkeit. Und in kurzen Affären wie mit ihrem "Star Wars"-Schauspiel-Kollegen Harrison Ford.

Nur ein Jahr hielt ihre Ehe mit dem Sänger Paul Simon, von dem sie aber fast sieben Jahre lang nach der Scheidung 1984 nicht mehr loskam. Bis sie den Hollywood-Agenten Bryan Lourd traf, mit dem sie die Tochter Billie Lourd hat - und der sie dann für einen anderen Mann verließ.

Carrie Fisher zerbrach fast an den Tiefschlägen ihres Lebens, focht ihren eigenen "Krieg der Sterne" aus, den sie aber gewann. Als gewitzte Autorin verarbeitete sie ihr Leben und ihre Probleme. Und bald schon war sie in der Filmfabrik gefragt - um Drehbüchern den letzten Schliff zu geben. Mit dem Erfolg kamen auch das Selbstbewusstsein und ein zynischer Blick auf Hollywood. "Man findet hier keine wahre Zuneigung, weil jeder Zuneigung so perfekt spielt", sagte sie später. Mit 60 Jahren und mit ihrem Hund Gary ständig an ihrer Seite schien sie zu sich selbst gefunden zu haben. Und sie war immer noch die Sternenprinzessin der Herzen, als sie vergangenes Jahr für "Episode VII - Das Erwachen der Macht" ihre alte Rolle der Prinzessin Leia noch einmal übernahm. Mit einer Würde, die nur die Überwindung bitterer Erfahrung bringt.

Nun ist sie mit 60 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben, aber im Frieden mit sich selbst, wie es schien. Möge die Macht mit ihr sein.

(jov)
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