Düsseldorf "Star Trek" springt ins 23. Jahrhundert

Düsseldorf · Die legendäre Reihe wurde von "Lost"-Regisseur J. J. Abrams an unsere Zeit angepasst. Das Ergebnis ist optisch überwältigend.

"Raumschiff Enterprise" (Originaltitel: "Star Trek") entwarf im Fernsehen der 60er und 70er Jahre die Vision einer aufgeklärten, toleranten Menschheit, die zu den Sternen aufbricht. Die technischen Effekte wirkten zwar mitunter amateurhaft, ließen aber Raum für Fantasie. Zumal die Serie ohnehin von ihren Geschichten lebte – das war durchaus tiefgründige Science-Fiction. Weltweit folgten Millionen den Streitgesprächen des energischen Captain Kirk mit dem kühl kalkulierenden Commander Spock und dem emotionalen Dr. McCoy. Dadurch erreichte die Serie Kultstatus und brachte es bis 2005 auf mehrere Ableger und Kinofilme. Dann wurde es ruhig um "Star Trek" – bis Regisseur Jeffrey Jacob Abrams, Schöpfer der populären TV-Serie "Lost", der Reihe neues Leben einhauchte. Sein "Star Trek"-Film wurde 2009 ein großer Erfolg; nun kommt die zweite Lieferung ins Kino: Sie heißt "Into Darkness" (In die Dunkelheit).

Gleich zu Beginn macht Abrams noch einmal klar, dass neue Zeiten angebrochen sind. Captain Kirk und Commander Spock retten eine Steinzeit-Zivilisation auf einem fernen Planeten vor einer Katastrophe. Und das in einer so rasanten und dicht gestaffelten Effekt- und Actionorgie, dass andere Regisseure aus der beeindruckenden Anfangssequenz wohl einen eigenen Kinofilm gemacht hätten. Im neuen "Star Trek"-Film ist das nur die Eröffnung: Die Mission verläuft nicht nach Vorschrift. Kirk fühlt sich von Spock verraten. Er verliert das Kommando über die Enterprise. Als Kirk seine Lehren daraus zieht, treibt er fast einen Keil zwischen sich und die Besatzung der Enterprise. Das ist außergewöhnlich tiefsinnig und intelligent für einen Film, der nicht mit Action und Spezialeffekten spart. Der Filmtitel "Into Darkness" ist nicht nur vordergründig zu verstehen, sondern vor allem psychologisch. Kirk und Spock müssen mit sich mit ihren Schattenseiten auseinandersetzen. Ebenso wie die Gesellschaft des 23. Jahrhunderts: Sie wird von Terroranschlägen getroffen.

Und die sind das Ergebnis der Arbeit einer Geheimdienstorganisation, die im Glauben handelt, sich für den Frieden einzusetzen – mit all jenen Mitteln, die offiziell abgelehnt werden. Mit der Figur des John Harrison hat der Film einen Bösewicht, der zu den großen Widersachern im Kino der vergangenen Jahre gehört. Harrison baut eine Waffe, er manipuliert Menschen, um seine Ziele zu erreichen – auch Captain Kirk. Der britische Schauspieler Benedict Cumberbatch spielt Harrison mit großer Präsenz und Präzision, mit kühler Überlegenheit.

Die Schauspieler wirken allesamt sicherer in ihren Rollen. Im ersten Abrams-Film spürte man noch, wie sich das junge Ensemble allmählich an die berühmten Figuren herantastete. Chris Pine etwa ist inzwischen in seiner Rolle als ironisch-arroganter James Tiberius Kirk angekommen, der im Film hin- und hergerissen ist zwischen Pflichtgefühl und Rachedurst. Zachary Quinto (Commander Spock) gelingt es mit nuancierter Mimik, dass man sich zu diesem Außerirdischen tatsächlich hingezogen fühlt. Er ist geradezu emotional, und vor allem an dieser Figur spürt man die Akzentverschiebung im Vergleich zur Vorlage.

Daneben gehen die anderen Besatzungsmitglieder Enterprise – mit Ausnahme von Simon Pegg (Chefingenieur Scott) – zwar etwas unter, aber Abrams hat jedem von ihnen zumindest einen großen Moment gegönnt. Sogar Enterprise-Legende Leonard Nimoy hat noch einen kurzen, allerletzten Auftritt als alter Spock – und zwar in einer Geschichte, in der es um den Schutz der Familie geht: Für Kirk ist das die Crew der Enterprise, für John Harrison sind es seine Gefährten. Und dennoch kämpfen sie brutal gegeneinander. Das ist sehr action- und effektreich umgesetzt, wird aber alte Fans der Serie vor den Kopf stoßen. Die Streitgespräche zwischen Kirk, Spock und McCoy sind eben endgültig Vergangenheit.

Tatsächlich fehlen dem Film ruhige Momente. So ist "Into Darkness" zwar kein Meisterwerk, aber immer noch großes Kino.

(RP)