Düsseldorf: Songs aus den 20ern: McCartneys neues Album

Düsseldorf : Songs aus den 20ern: McCartneys neues Album

Diese Stimme. Sie ist eine der größten in der Popmusik und selten, vielleicht noch nie, kam sie dem Hörer so nah wie auf "Kisses On The Bottom". Mit seinem neuen Album huldigt Ex-Beatles Paul McCartney dem Great American Songbook. Den Broadway-Nummern der 20er- und 30er Jahre, die er seinen Vater auf dem Klavier spielen hörte, während er als Kind auf dem Liverpooler Wohnzimmerteppich lag. Es kommt zwar immer wieder vor, dass alternde Popstars das American Songbook wiederentdecken. Bryan Ferry hat es getan und zuletzt etwas uninspiriert Rod Stewart. Paul McCartneys Anlauf klingt jedoch nie nach dem Beschreiten eines ausgetretenen Pfads.

In zwei neuen Kompositionen, die Paul McCartney "Kisses On The Bottom" hinzufügt, beweist er seine Könnerschaft: "My Valentine" ist einer der besten Songs, die er je geschrieben hat. Ein melodieseliges, schwelgerisches Liebeslied. So voller Zuversicht, wie man es einem Mann, der den Tod einer großen Liebe und einen schmutzigen Scheidungskrieg hinter sich hat, kaum mehr zugetraut hätte. Wie das ganze Album ist der Song getragen. Eric Claptons akustische Gitarre schmeichelt, Diana Kralls Band und die unaufdringlichen Streicher-Arrangements von John Clayton eröffnen Erinnerungsräume, in denen das alte Hollywood aufscheint.

Paul McCartney hat sich auf der neuen Platte ganz auf das Singen konzentriert. Klar und schön liegt seine Stimme über der Musik. Dass sie über die Jahre etwas brüchiger geworden ist, rührt nur um so mehr. Und es passt zu Stücken wie "I'm Gonna Sit Right Down And Write Myself A Letter". Da ist sie zu spüren, die Kontemplation des Erinnerungsreisenden.

(RP)