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So kunstvoll wie spröde: "Die Stimme meines Vaters"

So kunstvoll wie spröde: "Die Stimme meines Vaters"

Immer wieder reißt das Telefonklingeln Basê aus ihrer Einsamkeit. Allein lebt die knorrige alte Frau im kurdischen Elbistan, der Mann ist tot, die Söhne erwachsen. Doch wenn sie den Hörer abhebt, ist am Ende der Leitung nur Schweigen. Basê stört das nicht. Sie spricht trotzdem mit ihrem Sohn. Sie hofft doch so sehr, dass er die Guerillakämpfer verlässt, denen er sich vor ein paar Jahren angeschlossen hat, und zu ihr zurückkehrt. Es genügt doch, dass ihr Mann in der Fremde geblieben ist. Als Gastarbeiter ging er nach Saudi-Arabien. Von ihm blieben ihr nur Tonbänder, die er nach Hause schickte – Hörbriefe für seine Frau, die nie lesen lernte.

In stillen, kargen Bildern führt der türkische Film "Die Stimme meines Vaters" in eine Familiengeschichte, in der manche Härte aufscheint. Was geschehen ist, muss sich der Zuschauer überwiegend aus dem zusammenreimen, was er von den Tonbändern des verstorbenen Familienvaters hört. Das ergibt einen eigenwilligen, spröden, aber auch poetischen Film.

(RP)