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Singen wie Gott in Japan: Bachs lutherische Messen

Singen wie Gott in Japan: Bachs lutherische Messen

Es hat sich in der Welt der Barockmusik-Fans herumgesprochen, dass man an Japan nicht vorbeikommt. Das Bach Collegium Japan unter Masaaki Suzuki imponiert seit vielen Jahren mit wunderbaren Aufnahmen; seine Gesamteinspielung aller Bach-Kantaten ist bis heute unschlagbar. Nun entzücken die Musiker mit einer Neuaufnahme der beiden lutherischen Messen Bachs BWV 235 und 236. Die stehen im Schatten der beinahe mythischen h-Moll-Messe und tragen natürlich den kleinen Makel, dass uns viele Sätze dieser Kyrie-Gloria-Kurzmessen durch Bachs eigene Parodie aus Kantaten bekannt sind. Das ändert nichts daran, dass es sich um turmhoch wunderbare Musik handelt. Echter Bach!

Suzukis Art, Bach zu musizieren, leuchtet von innen, sie scheint über das Kraftfeld der Meditation geschritten, aber sie verhaucht sich nicht, sondern imponiert durch Frische und Dynamik, Elan und stimmlichen Kern - nicht nur im Forte, sondern auch im schwerelos-jenseitigen Piano. Kein Säuseln, niemals.

Selbstverständlich ist das Musizieren auf historischen Instrumenten keine japanische Erfindung, sondern ein Import; aber in den vielen Jahren des nimmermüden Trainings ist die Herkunft unbedeutend geworden. So darf man denn ohne Einschränkung sagen: Suzukis Bach-Pflege in Japan ist selbst zu einem Original geworden.

(w.g.)