Köln Sie machen Musik, auch wenn sie taub sind

Köln · Das Mahler Chamber Orchestra und der Pianist Leif Ove Andsnes musizieren in Köln mit gehörlosen Kindern.

Sanft berührt ein Mädchen die Bratsche, die ihr die Musikerin des Mahler Chamber Orchestra in die Arme legt. Sie hält die Wange ihres Gesichts ans Instrument, strahlt und versucht dem Instrument einige Töne zu entlocken. In der anderen Ecke des Raums der Johann-Joseph Gronewald-Schule in Köln hat ein Achtjähriger die Oboe zum Klingen gebracht. Die Begeisterung seiner Mitschüler drückt sich nicht in Jubel aus – nein: Sie halten beide Hände nach oben und drehen sie schnell nach rechts und links, das "Klatschen" in der Gebärdensprache. Alle diese Kinder sind taub.

Seit dem Frühjahr ist das Mahler Chamber Orchestra mit dem Pianisten Leif Ove Andsnes und der "Beethoven Journey" unterwegs und wird in 40 europäischen Städten alle Klavierkonzerte Beethovens aufführen. Mit dem Projekt "Feel the Music" möchte das Orchester gehörlosen Kindern Musik nahebringen.

Paul Whittaker, Gründer der Organisation "Music and the Deaf", leitete den Workshop in Köln. Er ist Musiker und selbst gehörlos und kennt aus eigener Erfahrung die Ängste und Vorbehalte. Nun, einige Kinder sind schwerhörig, andere völlig taub, einige haben ein Hörgerät oder ein Cochleaimplantat, andere nicht. Jeder soll seine Klangwelt entdecken.

Nach dem Workshop besuchten die Kinder die Philharmonie. Vor dem Konzert durften sie das Orchester leiten und sich wie echte Dirigenten fühlen, und sie entdeckten den Flügel. Wozu sind die Saiten da? Was passiert, wenn ich die Tasten anschlage, und wie fühlt es sich an, wenn ich unter den Flügel krabbele und den Resonanzboden von unten ertaste? "Das ist besonders wichtig", sagt Andsnes, "denn sie spüren die Vibrationen und den Rhythmus. Und ich glaube, im Rhythmus liegt eine grundlegende Freude."

(RP)