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Shakespeare und Buddhismus

Shakespeare und Buddhismus

Interview Luc Perceval inszeniert "Macbeth" neu für die Ruhrtriennale

Gladbeck Heute beginnt die Ruhrtriennale mit Willy Deckers Inszenierung von Wagners "Tristan und Isolde". Ein anderes Schwergewicht des Programms ist "Macbeth" in der Inszenierung von Luc Perceval. Wir sprachen mit dem aus Belgien stammenden Regisseur über Buddhismus bei Shakespeare und ein Theater, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Thema der diesjährigen Ruhrtriennale: dem Buddhismus?

Perceval Es ist sehr positiv. Anfang der 90er Jahre habe ich angefangen, als freier Regisseur zu arbeiten. Das ist kein Nine-to-Five-Job. Es ist im Gegenteil sehr intensiv und hart –ein existenzieller Kampf, was schließlich dazu führte, dass ich einen Zusammenbruch hatte. Auf Anraten meines Arztes habe ich angefangen, Yoga zu machen und darüber die östliche Philosophie und Spiritualität entdeckt. Irgendwann fand ich zum Zen-Buddhismus, fing an, ihn zu praktizieren. Das gibt mir bis heute Kraft.

Shakespeare und Buddhismus – wie geht das zusammen?

Perceval In der zweijährigen Vorbereitung auf die "Schlachten" (Percevals Theater-Epos nach Shakespeares Königsdramen, Anm. d. Red.) habe ich entdeckt, dass Shakespeare im Osten als einer der großen spirituellen Künstler des Westens gesehen wird. Er wird gesehen als ein Bodhisattva, also ein Mensch, der durch seine Werke und seine Haltung inspirierend wirkt. Shakespeare ist einer der wenigen Autoren, der so oft über die Leere spricht und das Thema, so wie es im Osten verstanden wird, benennt. Lear sagt: Wir kommen aus dem Nichts und gehen zum Nichts. Das ist das buddhistische Konzept des Lebens.

Macbeth sagt den berühmten Satz, dass das Leben nur ein Märchen sei, erzählt von einem Narren.

Perceval Er begreift damit das Leben als eine Illusion, als ein Schauspiel. Als etwas, das man zeitweise glaubt, aber wenn es vorbei ist, war es umsonst. Macbeth ist eindeutig ein Mensch, der gegen seine Vergänglichkeit kämpft, ein großes Thema ist die Angst vor dem Tod. Auch die Buddhisten sagen, wir sind in unseren Entscheidungen gesteuert von unserem Überlebenstrieb.

Sie haben einmal gesagt: "Mein Theater findet in den Köpfen der Zuschauer statt." Jeder muss also selbst seinen Sinn aus dem Geschehen ziehen?

Perceval Was mein Theater charakterisiert, ist die Leere. Ich bin niemand, der das Leben erklären kann oder soll. Ich kann nur versuchen, mich mit den Figuren in den Stücken zu identifizieren, autobiographische Ähnlichkeiten zu finden und darüber die Möglichkeit der gleichen Ähnlichkeiten für den Zuschauer anzubieten. Weil ich letztlich glaube, dass wir alle die gleichen Ängste und Sehnsüchte haben nach Glück, nach Liebe, nach Freiheit. Mein Faszinosum ist der Mensch, und dafür lasse ich so viel Ballast wie möglich weg.

Max Florian Kühlem führte das Interview.

(RP)