Serie Berufe in der Kunst - der Komponist So klingen die Algorithmen

Düsseldorf · Der Düsseldorfer Komponist Christian Banasik ist international begehrt. In seiner Musik kommen auch elektronische Medien zum Einsatz.

 Christian Banasik in einem Studio für elektroakustistische Musik an der HSD.

Christian Banasik in einem Studio für elektroakustistische Musik an der HSD.

Foto: Anne Orthen (orth)

Christian Banasik ist Komponist. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt bei den elektronischen Medien: Computer, Programme und Synthesizer sind sein Werkzeug. Mit seinen Kompositionen ist er nicht nur regional, sondern auch international erfolgreich. Im Gespräch wird seine Begeisterung für elektroakustische Musik unmittelbar deutlich.

Der Komponist, der in diesem Jahr sein 60. Lebensjahr vollenden wird, begann schon als Kind mit dem Klavierspiel. Zunächst brachte ihm sein Vater, ein guter Laienmusiker, dieses Instrument nahe. 1984 nahm Banasik sein Kompositionsstudium an der Robert-Schumann-Hochschule auf. Mit Günther Becker fand er einen Lehrer, der das Interesse an elektronischen Musik-Apparaturen vertiefte und den künstlerischen Umgang damit ausbaute. Später waren es dann in Düsseldorf Dimitri Terzakis und in Frankfurt Hans Zender namhafte Persönlichkeiten, die den Komponisten prägten. Computermusik-Seminare des in der Szene bekannten und neulich verstorbenen Klarenz Barlow vertieften die Einblicke in die Welt der algorithmischen, also von Rechenverfahren geleiteten Denkweise.

Man findet allerdings in Banasiks Werkverzeichnis auch eine Fülle von Kompositionen für traditionelle Instrumente, für Klavier, Flöte, Saxofon und eine Vielzahl von Ensembles ohne Einbeziehung von Elektronik. Seine Leidenschaft liegt indes bei Musik, die mit Hilfe des Computers entsteht. Schon vor über 30 Jahren entwickelte Banasik eine eigene Musiksoftware für den damals wichtigen Atari-Computer. Heute greift er natürlich auf nützliche aktuelle Soft- und Hardware zurück.

Viele seiner Werke benötigen auch bei Aufführungen einen Computer. Da gibt es etwa rein elektroakustische Hörstücke, die am Rechner entstanden sind und mehrkanalig abgespielt werden. Es gibt aber auch Kompositionen, die den traditionellen Instrumentalklängen von Oboe, Akkordeon, Klavier und vielen anderen live vom Computer gesteuerte Klänge hinzufügen. In neuester Zeit hält sogar die KI (künstliche Intelligenz) Einzug in sein Schaffen.

Mit seinen Werken findet Banasik international größten Anklang. Er wird diesseits und jenseits des Atlantiks auf Festivals gespielt, auch Radiosender schenken ihm Beachtung. Außerdem ist die Liste von Preisen aus verschiedenen europäischen Ländern beachtlich. Etliche Stipendien runden diese Erfolgsgeschichte ab. Gefragt ist er auch als Juror in Kompositionswettbewerben und als Mitorganisator bei Festivals, bei denen er über die Auswahl der aufgeführten Werke mitentscheidet.

Das Komponieren beschäftigt ihn täglich und eigentlich den ganzen Tag über, nicht nur, wenn er am Schreibtisch oder am Computer sitzt. Dort findet dann das bei Spaziergängen konzeptionell Erdachte seine konkrete Gestalt. Begeistern kann ihn natürlich auch eine Aufführung wie vor Kurzem in Manhattan bei einem der größten Festivals der Welt für dieses Musikgenre, bei dem er persönlich anwesend war und sogar mitwirkte. Die Arbeit als Klangregisseur mit einer achtkanaligen Wiedergabeanlage war „ein Mordsspaß“, wie er sagt.

Diesen Spaß vermittelt er auch Schülern und Studierenden in seinen Tätigkeiten als Lehrbeauftragter für Audiovisuelles Design an der Hochschule Düsseldorf sowie an der Clara-Schumann-Musikschule, wo er das Studio für Elektronische Musik leitet. Solche Unterrichtstätigkeiten ergeben zwar gewisse Einkünfte, ganz wichtig sind daneben aber Honorare aus Kompositionsaufträgen, Arbeitsstipendien und Tantiemen nach den Aufführungen.

Auch in Düsseldorf tritt Banasik regelmäßig in Erscheinung. Er entwickelte etwa das kompositorische Konzept für das große Projekt „Metropolitan“ (2017 bis 2019), bei dem die drei U-Bahnstationen der Wehrhahnlinie zwischen Kirchplatz und Benrather Straße bespielt wurden. Es ging um die Wechselwirkung der Räume und der Kunst, die in hier zu sehen ist, mit seiner Musik, die live von etlichen Musikerinnen und Musikern gesungen und gespielt wurde. Bei aller internationalen Vernetzung ist Banasik also auch stark in die regionale Kulturszene eingebunden.

Für Düsseldorf wünscht sich der Komponist Banasik eine große musikalische Vielfalt auf hohem Niveau. Und nicht zuletzt brauche die Musik das Interesse des Publikums. Von beidem wünscht er sich noch mehr als bisher.

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