Schauspielhaus Köln: Neuer Kölner Intendant kommt aus Salzburg

Schauspielhaus Köln : Neuer Kölner Intendant kommt aus Salzburg

Die Stadtspitze setzt mit ihrer Entscheidung für den 49 Jahre alten Carl Philip von Maldeghem auf Kontinuität.

Es scheint, als habe die Stadt Köln sich mittelfristig vom Gedanken verabschiedet, mit ihrem Schauspiel in der obersten Liga der deutschsprachigen Theater mitzuspielen. Als Nachfolger für den aktuellen Intendanten Stefan Bachmann, der das Haus Ende der Saison 2020/21 verlässt, präsentierte Oberbürgermeisterin Henriette Reker gestern Carl Philip von Maldeghem. Der 49-Jährige ist seit zehn Jahren Intendant des Landestheaters in der 150.000-Einwohner-Stadt Salzburg.

In dem monatelangen Findungsprozess, der vom langjährigen geschäftsführenden Direktor des Deutschen Bühnenvereins Rolf Bolwin unterstützt wurde, wird es die Stadt Köln nicht leicht gehabt haben: Sie suchte einen Intendanten, der in einem Provisorium antritt. Seit 2012 werden Oper und Schauspiel saniert. Hoffte Stefan Bachmann bei seinem Antritt 2013 noch, nach zwei Jahren im angestammten Haus spielen zu können, wird mittlerweile als frühester Einzugstermin 2022 gehandelt. Bachmann verzichtete wegen der immer neuen Verzögerungen auf einen Passus in seinem Vertrag, der ihm eigentlich mindestens drei Spielzeiten im wiedereröffneten Schauspiel am Offenbachplatz zusichert. Er verlässt die Stadt auf eigenen Wunsch.

Von Carl Philip von Maldeghem verspricht sich Oberbürgermeisterin Reker „ein Theater, das sich den Bürgern noch weiter öffnet, weil es den Menschen gehört“. Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach ergänzt: „Er hat uns mit seinen Vorstellungen eines modernen, lebendigen und nicht hierarchiebetonten Theaters sofort überzeugt.“

Tatsächlich wirkt es, als haben die Stadtoberen mit ihrer Entscheidung vor allem das eigene Publikum im Blick gehabt. Maldeghem spricht auf der Pressekonferenz von einem „Theater der Teilhabe, das auch jungen Menschen die Chance gibt, auf der Bühne zu stehen“. Er spricht davon, Klassiker auf ihre Zukunftsfähigkeit zu überprüfen und neue Stoffe für die große Bühne zu erobern: „Die Becketts von heute sind alle bei Netflix.“ Außerdem ist die Wahl des neuen Intendanten offenbar auch eine Würdigung der Arbeit des alten, der im Boom-Stadtteil Mülheim großen (Publikums-)Erfolg in der beliebten Interimsspielstätte Depot im Carlswerk hat. Maldeghem: „Ich bin ein Intendant mit leichtem Gepäck. Ich lasse mich gerne auf die Stadt und das bestehende Ensemble ein.“ Außerdem übte er sich in entwaffnend ehrlicher Bescheidenheit: „Ich bin zwar regieführender Intendant, habe als Regisseur allerdings bisher nicht in der Burgtheater-Liga gespielt.“ Für die überregionale Wirkung wolle er sich auf seine Stärken als Netzwerker verlassen, auf Mitstreiter wie den Dramatiker John von Düffel.

Interessant wird es, als Kulturdezernentin Laugwitz-Aulbach gefragt wird, ob die Findungskommission auch aktuelle Diskurse um mehr kulturelle Diversität und Weiblichkeit im Theaterbetrieb in die Entscheidungsfindung einbezogen habe: „Ja, die haben wir berücksichtigt, und ich stehe zu hundert Prozent zu unserer Entscheidung.“ Maldeghems Biographie lässt tatsächlich nicht auf einen international und interkulturell agierenden Kulturmanager schließen, wie man sie heute oft im Festivalbetrieb findet. Der gebürtige Bayer ging nach einem abgeschlossenen Jurastudium nach New York und Cambridge, wo er Schauspiel und Regie studierte. Später arbeitete er für Gérard Mortiers und Peter Stein und übernahm 2002 mit 32 Jahren die Intendanz der Schauspielbühnen Stuttgart als damals jüngster Intendant im deutschsprachigen Raum.