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Schauspielhaus Düsseldorf: Traumhafte Zeitreise durch Heines Welt

Düsseldorfer Schauspielhaus fasziniert mit Heine : Traumhafte Zeitreise durch Heines Welt

Das Düsseldorfer Schauspielhaus entführt das Publikum zu Spielzeitbeginn aus dem Theater.

Hanna Werth steht mit einem Megaphon auf dem Gustaf-Gründgens-Platz vor dem Düsseldorfer Schauspielhaus und brüllt die schönste Literatur in die Luft. Ein paar Jugendliche kommen vorbei, schauen, ob was geht, Unsinn vielleicht, diesen aber doch sein lassen, als die Schauspielerin erklärt, was sie da macht, denn das finden sie gut. Es geht um Freiheit; um Frankreich und Amerika, um Deutschland und um Düsseldorf.

Darüber hat sich Heinrich Heine, der in Düsseldorf geboren und aufgewachsen ist, sein Leben lang den Kopf zerbrochen. Seine gescheiten Betrachtungen über die Ereignisse seiner Zeit offenbaren das Wesen politscher Zustände im Allgemeinen und sind insofern von beständiger Aktualität. Das Düsseldorfer Schauspielhaus widmet dem Dichter zu Beginn der soeben eröffneten neuen Spielzeit einen exquisiten theatralen Rundgang mit dem Titel „Lieber ein lebendiger Hund als ein toter Löwe!“, was unter Corona-Bedingungen eine gute Idee ist, denn die Zuschauer werden in kleinen Gruppen durch das Haus und hinaus geführt, mit Maske und Abstand.

Die Tour beginnt mit der Pariser Matratzengruft. Der schwerkranke Heine hat sie sieben Jahre lang nicht verlassen können. „Von mir ist nichts mehr zu erwarten“, zitiert Schauspieler Thomas Wittmann den Dichter, während er sich im Foyer auf einem Matratzenberg lümmelt. An Gott gerichtet: „Du schufest den fröhlichsten Dichter und raubst ihm jetzt seine gute Laune.“ Von nun an geht es eindreiviertel Stunden durch das Heine-Universum. In die weitverzweigten Gänge des Theaters führt der Trip die Besucher, wo sie mit Heine-Sound geduscht werden. Aus Lautsprechern erklingen Gedichtvertonungen, Zitate werden geflüstert, manchmal summt eine Frau. „Küsse meine Lippen“ ist an eine Wand gekritzelt „Du musst dich in mich verlieben“ an eine andere. Regisseur Jan Philipp Gloger hält weitere kleine Überraschungen nicht nur in den Fluren parat. Er kreiert eine Geisterbahn des guten Geschmacks, um der Vielstimmigkeit Heines die Ehre zu erweisen.

Im Kulissenlager und dem Theaterkeller tragen die Schauspieler Judith Bohle und Joscha Baltha, der neu im Ensemble ist, Auszüge aus „Atta Troll“, „Elementargeister“ und „Französische Zustände“ vor. Als Heine 1831 in Paris ankommt, wohin er vor der preußischen Zensur flüchtet, wütet dort die Cholera. Er berichtet über die Pandemie – und trifft deren Leugner. Es heißt, schreibt er, „die vielen Menschen stürben nicht durch eine Krankheit, sondern durch Gift … je wunderlicher die Erzählungen lauteten, desto begieriger wurden sie vom Volke aufgegriffen“. 180 Jahre später gilt dies wieder.

Nach einer furiosen Darbietung von Jan Maak, der Heines „Der Doktor Faust“ als derben Schwank performt, blicken die Zuschauer zum Ende des Rundgangs in den Hofgarten, auf dessen Rasen Heine einst vom Glück träumte. Im Park sitzen der junge und der todkranke Heine beisammen und schauen den Vögeln nach, während sich die Passanten darüber wundern, dass die Poesie des Theaters bis nach draußen zu reichen vermag.

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