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Düsseldorf: Schauspiel streicht Rohwedder-Stück

Düsseldorf : Schauspiel streicht Rohwedder-Stück

Der Chilene Calderón wird sein Auftragswerk für Düsseldorf nicht schreiben

Es war noch keine Zeile geschrieben, es stand nur die Ankündigung eines Stückes im Raum, das im Auftrag des Düsseldorfer Schauspielhauses im März 2014 herauskommen sollte. Der Arbeitstitel lautete: "Schuss". Als Autor war der Chilene Guillermo Calderón beauftragt. Laut Ankündigung im Spielplanheft wollte Calderón nicht nur über den politischen Mord in Chile schreiben, sondern – wie es in der Ankündigung heißt: "... auch Verbindungslinien nach Deutschland ziehen, nach Düsseldorf, wo am Ostermontag des Jahres 1991 Detlev Karsten Rohwedder, der Vorsitzende der Treuhandanstalt, einem Gewehrschuss zum Opfer fiel. Am Tatort befand sich ein Bekennerschreiben eines RAF-Kommandos."

Zwei Tage nach Bekanntgabe des neuen Spielplans durch Interimsintendant Manfred Weber erfuhr Hergard Rohwedder von dem Vorhaben und erschrak über die oben abgedruckten Zeilen. Mir ihr hatte niemand gesprochen, das empfand sie als eine Ungeheuerlichkeit. Auf jeden Fall werde sie eine Aufführung dieses Stückes mit allen Mitteln verhindern, kündigte die promovierte Staatsrechtlerin vor einer Woche bereits an. Sie befürchte eine Verunglimpfung ihres verstorbenes Mannes, eine Glorifizierung der Täter, und sie forderte, den Schutz der Familie über alles zu stellen.

Gestern hat sich Hergard Rohwedder mit Manfred Weber ausgesprochen, es war ein kurzes freundliches Gespräch, an dessen Ende die Entscheidung fiel, den Stückauftrag zurückzuziehen. "Aus Respekt vor den Opfern", wie Weber sagt. "Ich möchte nicht die Gefühle der Witwe und ihrer zwei Kinder verletzen." Es wird kein Stück über den Fall Rohwedder und auch keines über die RAF-Zeit geben, denn in Düsseldorf sei dies nur schwer zu trennen.

Schließlich war Hergard Rohwedder selbst Opfer, einer von drei Schüssen traf sie, zerschmetterte ihren Arm, der bis heute taub ist. So ist sie unter drei Aspekten gegen das Werk vorgegangen, als Hinterbliebene, als Opfer und als Verfassungsrechtlerin. Die RAF-Zeit hat sie als junge Juristin miterlebt, das Kontaktsperregesetz und andere Gesetzesmaßnahmen jener Zeit fachlich begleitet. Bis heute sind die Mörder ihres Mannes unbekannt, nur das Bekennerschreiben liegt vor, das sie Weber vorgelesen hat. Darin heißt es über ihren Mann, "... die imperialistische Bestie auf dem Sprung in eine schöne neue Welt!" Ihre kalten Tränen erahnt man noch durchs Telefon, ihren Schock. Den kaltblütigen, heimtückischen wie gemeinen Mord wird sie nie verwinden.

(RP)