1. Kultur

Sammlung Abresch aus Wesel ist Basis des neuen NRW-Geschichtsmuseums

Brautkleider, Kochtöpfe und Zahnbohrmaschienen : Notbehelfe kommen ins NRW-Geschichtsmuseum

Die Sammlung Abresch aus Wesel bildet mit mehr als 2000 Objekten den Grundstock des neuen Museums im Behrensbau am Düsseldorfer Mannesmannufer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat mancher aus Trümmern etwas Nützliches gemacht. Eine Hakenkreuzfahne wurde zur Schürze, aus einem abgestürzten amerikanischen Bomber erstand eine Zahnbohrmaschine, und Fallschirmseide verwandelte sich unter geschickten Händen in ein Brautkleid. Diese Beispiele erfindungsreicher Bastelkunst und viele mehr werden künftig im Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen zu sehen sein, im Behrensbau am Düsseldorfer Mannesmannufer. Eine Auswahl aus den 2000 Objekten, die der Weseler Pfarrer i. R. Werner Abresch in mehr als 30 Jahren zusammentrug, wird Ende August in einer Sonderschau zu sehen sein: „Unser Land. 75 Jahre Nordrhein-Westfalen“.

Krankheitsbedingt war Abresch jetzt nicht dabei, als die Stiftung Haus der Geschichte NRW ihre Arbeit vorstellte, doch Ehefrau Inge und die beiden erwachsenen Söhne Johannes und Philipp erzählten lebhaft davon, wie der Vater manchem Bekannten die Notbehelfe mit besten Absichten abluchste, gerne auch bei Besuchen in seiner Gemeinde. Von vornherein wollte er sie zu Erinnerungsstücken bündeln, die zugleich die Geschichte ihrer einstigen Besitzer erzählen und die ärmlichen Anfänge des Bindestrich-Landes nachzeichnen.

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Oft begleiteten die Söhne ihren Vater, wenn er über Trödelmärkte schweifte. Er griff, so beobachteten sie, nur dann zu, wenn er zum Notbehelfsteil auch eine Rahmenhandlung zu hören bekam: "Das war Geschichte anders, als wir sie in der Schule gelernt hatten. Das war Geschichte zum Begreifen."

Werner Abresch hat seine Sammlung, die er nun der Stiftung schenkte, früh auch außerhalb von Wesel gezeigt. In Wesel selbst war sie bislang im LVR-Niederrheinmuseum aufgehoben. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp sieht die Kollektion ungern ziehen, freut sich aber zugleich darüber, dass die Sammlung künftig ein viel breiteres Publikum erreichen und auf Tournee durch Deutschland gehen wird.

Gabriele Uelsberg, Präsidiumsmitglied der Stiftung, hat bereits weitere Sammlungen an der Angel, darunter die private Sammlung des früheren Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD). Seine Laufschuhe werden in der Jubiläumsschau groß herauskommen – am einstigen Hauptverwaltungssitz der Mannesmann-Röhrenwerke, einer Ikone der Verwaltungsarchitektur, 1912 erbaut von Peter Behrens und nicht weit vom Landtag entfernt.