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Rüsselsheim sagt Rap-Nacht mit Rapper Kollegah ab

Angst vor Antisemitismus : Rüsselsheim sagt Rap-Nacht mit Kollegah ab

Die geplante Rap-Nacht auf dem Hessentag in Rüsselsheim wird abgesagt. Dies entschied am Donnerstagabend die Stadtverordnetenversammlung. Kritiker hatten Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit befürchtet. Auftreten sollte unter anderem Kollegah.

Die Abstimmung über die Rap-Nacht sei mit 18 Ja- und 17 Nein-Stimmen bei sechs Enthaltungen knapp gewesen, teilte eine Stadtsprecherin mit. Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) hatte die Absage empfohlen.
Noch im November waren die Stadtverordneten für die Rap-Nacht gewesen, korrigierten nun dieses Votum. Der Hessentag ist im Juni geplant.

Zuletzt hatten der Zentralrat der Juden in Deutschland und andere jüdische Organisationen in einem "Offenen Brief" die Stadt aufgefordert, dem Hessentag keine Bühne für "Hass, Antisemitismus, Rassismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit" zu geben. Dies propagiere der Rapper Kollegah.

Der wies am Donnerstag in einer Stellungnahme die Vorwürfe als "völlig aus der Luft gegriffen und haltlos" zurück. Die kritisierten Texte stammten aus 13 Jahre alten Rap-Veranstaltungen und seien teilweise noch nicht einmal von ihm selbst, sondern beteiligten Musikern gerappt worden.

"Die Tatsache, dass in meinen bislang 13 Jahren Musikkarriere nie der Vorwurf des Antisemitismus auch nur im Raum stand und dies erstmalig ausgerechnet jetzt, kurz nach meiner Wohltätigkeitsreise in Palästina, geschieht, mutet sonderbar an, jedoch will ich hier keinen Zusammenhang unterstellen", schreibt er an Daniel Neumann, Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen. Der Rapper schlug in dem Brief vor, gemeinsam und öffentlich das Thema zu diskutieren.

Neben Kollegah waren auch die Rapper Azad, Farid Bang, Eko Fresh sowie Lumaraa und Der Asiate für die Rap-Nacht verpflichtet worden.
Nach Auskunft von Stadtsprecher Asswin Zabel steht die Stadt nun mit der Künstleragentur in Kontakt. Dabei gehe es auch um mögliche Schadenersatzforderungen.

Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs, der an der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität lehrt, sieht vor allem in früheren Texten von Kollegah antisemitische Inhalte. Aufgrund einer umstrittenen Palästina-Reise des Musikers und einer nie vorgenommenen Distanzierung von seinen frühen Texten, finde nun eine Verknüpfung statt, die zu dem Antisemitismus-Vorwurf führe, meint Hindrichs. Ein weiterer Vorwurf, die Texte seien sexistisch, ist laut Hindrichs nicht ungewöhnlich. Sexismus sei bei Deutsch-Rap kein neues Phänomen. Hindrichs wies darauf hin, dass die Texte der Deutsch-Rapper Hinweise darauf gäben, in welchem Zustand sich Teile der Gesellschaft und der Fans befänden.

Im vergangenen Jahr hatte der Magistrat bereits den Kartenvorverkauf für die Rap-Nacht wegen der massiven Kritik gestoppt. Die Stadtverordnetenversammlung gab dann aber doch grünes Licht.

Rapper Kollegah, dessen bürgerlicher Name Felix Blume lautet, studiert in Mainz Jura. Für seine Musik wurde der 1984 im hessischen Friedberg geborene Sänger bereits mit mehreren goldenen Schallplatten ausgezeichnet. Sein Album "King" aus dem Jahr 2014 bekam aufgrund hoher Verkaufszahlen sogar eine Platin-Schallplatte. Im Alter von 15 Jahren ist er zum Islam konvertiert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Rapper Kollegah wegen Schlägerei vor Gericht

(rent/dpa)