Roland Mönig leitet künftig Von-der-Heydt-Museum

Ab April in Wuppertal : Neuer Kopf für das Von-der-Heydt-Museum

Roland Mönig leitet zurzeit noch das Saarlandmuseum und war früher zweiter Mann in Kleve.

Leichter wird die Arbeit nicht, wenn Roland Mönig (54) zum 1. April nächsten Jahres aus dem Saarlandmuseum als Chef ans Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum wechselt. In Saarbrücken hatte er 2013 ein Haus übernommen, das sich mitten in einem Skandal um einen Neubau befand. Der kostete statt der veranschlagten neun Millionen Euro sage und schreibe 30 Millionen mehr. Mönig gelang es, als neuer Kapitän seinen Dampfer in ruhigeres Fahrwasser zurückzuführen.

In Wuppertal erwartet ihn eine andere, zum Teil aber ähnliche Situation wie einst an der Saar. Zwar geht es dort nicht um Millionen, doch der Ruf des Hauses ist angeschlagen, seit die Trägergesellschaft Gerhard Finckh, dem langjährigen Direktor, ausgerechnet zu dessen Abschied aus dem Amt eine Niederlage bescherte. Eine bereits zwei Jahre lang vorbereitete Ausstellung zum Thema „Kunst und Aufklärung im Frankreich des 18. Jahrhunderts“ wurde gestrichen. Stadt und private Geldgeber befürchteten auf einmal, die Schau könne nicht genug Publikum anlocken und darum nicht die Gelder einspielen, die zur Finanzierung nötig wären.

Vielleicht sind die Maler Watteau, Boucher und Fragonard hierzulande tatsächlich zu wenig bekannt, als dass sie so viel Publikum ins Museum gezogen hätten wie zuvor Manet und Renoir, Sisley und Pissarro. Sechsstellige Besucherzahlen wie jene 300.000 bei Monet sind Voraussetzung dafür, dass sich das Von-der-Heydt-Museum als Blockbuster-Adresse behauptet, denn von der Stadt Wuppertal ist nicht viel Geld zu erwarten. Das wird auch Mönig zu spüren bekommen.

Mit den Besonderheiten der Museumslandschaft an Rhein und Ruhr kennt er sich allerdings aus. In Bochum kam er zur Welt, in Bochum studierte er Kunstgeschichte und Germanistik, ebenfalls dort verfasste er 1994 seine Doktorarbeit zu Franz Marc und Georg Trakl.

Drei Jahre später ging er als Kurator und stellvertretender Leiter ans Museum Kurhaus Kleve. Seine zupackende Art bekam dem Haus gut. Nach der Pensionierung von Guido de Werd wurde er kommissarischer Direktor, dann wechselte er als Chef des Saarlandmuseums und als Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz in den Südwesten.

Die saarländische Ministerin für Bildung und Kultur, Christine Streichert-Clivot, rühmt ihm nun manches nach. Sie erinnert an Mönigs Engagement für das Werk des Schweizer Künstlers Franz Gertsch, für seine Ausstellung mit Arbeiten der US-Amerikanerin Pae White und für die noch bis Januar 2020 dauernde Gegenüberstellung von Werken des Bildhauers Auguste Rodin und des Installations- und Videokünstlers Bruce Nauman.

Wenn Mönig aus dem Saarland in seine Heimatregion zurückkehrt, wird er dort anders als zuvor ein Kunstmuseum unter vielen leiten, die allesamt ums kunstsinnige Publikum buhlen. Wer in der Nähe von Düsseldorf, Köln und Essen bestehen will, muss schon so Außerordentliches leisten wie bislang Gerhard Finckh in Wuppertal. Mit Gegenwartskunst werden sich kaum die von der Trägergesellschaft erwarteten sechsstelligen Besucherzahlen erzielen lassen, und das Feld der klassischen Moderne hat Finckh bereits zu einem guten Teil beackert. Warten wir also ab, was Roland Mönig aus dem Hut zaubert: neue Ideen – und zusätzlich neue Sponsoren?

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