Robert Schumann als „Kitt der Stadt“ Düsseldorf

Schumannfest 2019 : Schumann als „Kitt der Stadt“

Am Wochenende beginnt das große Schumannfest. Es ist diesmal Clara gewidmet – und es markiert einen vielfältigen Aufbruch.

Der Augenschein trügt. Denn die umfänglichen Bauarbeiten im Haus an der Bilker Straße 15 dienen nicht dem Abbruch, sondern dem Aufbruch. Und der gilt – typisch für Düsseldorf und noch typischer für die alte Carlstadt – der Musik. So ist die staubige Baustelle ein auratischer Ort: als das einzige noch verbliebene Haus, in dem Robert und Clara Schumann ab 1852 gelebt und unterrichtet, musiziert und komponiert haben; es ist zugleich ihre letzte Wohnstätte in Düsseldorf gewesen.

Für die Robert-Schumann-Gesellschaft (RSG) mit ihren 250 Mitgliedern konnte es keinen besseren Ort geben, um an das Künstlerpaar zu erinnern. Auch nicht für die Stadt. Zumal jetzt mit der Renovierung auch ein langgehegter Wunsch allmählich Konturen annimmt, dort die sogenannte Straße der Romantik und Revolution entstehen zu lassen. Dass auch Kulturdezernent Hans-Georg Lohe im Vorstand der Schumann-Gesellschaft wirkt, dürfte dem Renovierungs-Vorhaben zuträglich gewesen sein – das darüber hinaus der Freundeskreis Schumannhaus maßgeblich finanziell unterstützt.

Gleich auf der anderen Straßenseite liegt mit dem Heinrich-Heine-Institut ein weiterer Bündnispartner. „Heine“ beherbergt eine ansehnliche Sammlung an Schumann-Dokumenten und dürfte mit dem geplanten Museum, das auf 650 Quadratmetern Leben und Wirken der Musiker präsentieren soll, eine spannende Ergänzung werden. Die Schumanns quasi als „Brückenschläger“ auf der Bilker Straße.

Irgendwie ist das charakteristisch. Denn die Mitglieder der Robert-Schumann-Gesellschaft mit ihrem Vorsitzenden Albert Michael Tilmann sind keine Eigenbrötler, sondern – wie man heute so sagt – überzeugte Netzwerker. Das war schon vor dem Fall der Mauer so, als die Musikwissenschaftlerin in Reihen der Gesellschaft, Irmgard Knechtges-Obrecht, nach Zwickau reiste, um in der Geburtsstadt Robert Schumanns wichtige Manuskripte abzufotografieren. Das hört sich heute viel anekdotischer an, als es damals gewesen ist. Der Aufwand war immens. Dennoch: Schumann wirkte über staatliche und ideologische Grenzen hinweg.

Zumeist fängt Großes übersichtlich an. Nur darf der Glaube an das Große nie verlorengehen. Etwa an eine Schumannsche Gesamtausgabe mit dem Abdruck von Originalpartituren und Urtextfassungen, von der aktuell 35 erschienen, drei geplant und zehn weitere projektiert sind. Allesamt erscheinen zweisprachig, auch dies ein Indiz für grenzenlose Schumann-Begeisterung. Die wurde mit der Düsseldorfer Forschungsstelle ab 1986, also sieben Jahre nach Gründung der Gesellschaft, weiter befeuert. Inzwischen ist die Wissenschaft von der Bilker Straße umgezogen in die NRW-Akademie an der Palmenstraße.

Das Düsseldorfer Wohnhaus der Schumanns ist auch zum Geburtstag von Clara Schumann - der jährt sich am 13. September zum 200. Mal – noch eine Baustelle. Einen Festakt zu Ehren der großen Pianistin wird es am 7. September im Steigenberger Hotel geben.

Die Schumann-Begeisterung soll sich aber nicht in Jubiläen erschöpfen. Das zeigt sich auch am bevorstehenden Schumannfest, das inzwischen von der Stadt getragen und am Samstag mit einem Konzert in der Tonhalle eröffnet wird. Es stecke viel Potenzial in der Bewahrung ihrer Musik, so Tilmann: „Salzburg hat Mozart und Düsseldorf hat Schumann.“ Die große Musiktradition habe durchaus das Zeug dazu, als „Kitt der Stadt“ zu dienen, glaubt auch Vorstandsmitglied Florian Merz-Betz, Dirigent, Intendant und RP-Herausgeber. Die Wirkung der Schumanns sei durchaus vergleichbar mit der Heines in der Literatur. Man müsse die Menschen emotional erreichen. Und: „Wir haben ein großes Produkt in einer spannenden Umgebung, damit lässt sich künftig auch die ,Marke Schumann‘ entwickeln.“

Die Baustelle an der Bilker Straße macht diese Entwicklung anschaulich. Sie ist vielleicht auch Sinnbild für das Leben der Schumanns in der Stadt, das nur wenige Jahre dauerte und zwischen Hoffnung und Enttäuschung, Glück und Trauer schwankte. Wechselhaft waren Robert Schumanns Erfolge, als er 1850 als neuer Musikdirektor der Stadt an den Rhein kam, und kräftezehrend das Leben Claras.

Der katastrophale Schlusspunkt war dann Robert Schumanns Selbstmordversuch am 27. Februar 1854 und seine Einlieferung in die Heil- und Pflegeanstalt zu Bonn-Endenich. Richtig heimisch sind die beiden ernsten Musiker im lebensfrohen Rheinland nicht geworden. Und doch schien die Stadt für Schumann zum Ort eines wahren Schaffensrausches zu werden. In seinen knapp vier Düsseldorfer Jahren entstand ein Drittel seines Gesamtwerks.

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