Cannes: Robert Redford in Cannes gefeiert

Cannes : Robert Redford in Cannes gefeiert

Der 76-Jährige stellte beim Filmfest die Produktion "All is Lost" vor.

Regisseur Steven Soderbergh hatte gestern seinen Auftritt beim Filmfest in Cannes, und er bestätigte, die Filmbiografie des Entertainers Liberace, "Behind the Candelabra", sei tatsächlich seine letzte Produktion – nun ziehe er sich zurück. Soderbergh gelingt zum Abschied große Filmkunst.

Michael Douglas' Darstellung des Glitter-Pianisten ist grotesk und zugleich von betörender Liebenswürdigkeit. Tatsächlich hatte Douglas in seiner Jugend mit seinem Vater Kirk noch Liberace selbst als glänzenden Gastgeber erleben dürfen. Es ist die Geschichte einer ungleichen Männerliebe, der sich schließlich beide Partner nicht mehr gewachsen zeigen. Matt Damon spielt in einer kaum weniger spektakulären Verwandlung den ehemaligen Schausteller Scott Thorson, der zwischen 1976 und 1982 mit Liberace liiert war. Liebe und Selbstliebe verschwimmen, wenn Liberace in eine doppelte Schönheitsoperation investiert: Um sich zu verjüngen und seinen Liebhaber in ein Abbild seines jüngeren Selbst zu verwandeln.

"Vielleicht habe ich überlebt, weil ich Hollywood ferngeblieben bin", sagte dagegen Robert Redford. "Ich blieb in den Bergen, habe mir in Utah ein Haus gebaut, um den Versuchungen in Los Angeles fernzubleiben." Auch in "All is Lost", seinem Comeback als Schauspieler im Film von JC Chandor, spielt er einen Überlebenden. Er ist der einzige Darsteller in diesem Seestück über einen Segler auf dem Ozean, dessen Boot nach der Kollision mit einem Container beschädigt ist.

Dem 76-jährigen ist das Drama auf den Leib geschrieben – nicht nur wegen seiner bewundernswerten physischen Konstitution. Wie kein Film-Prominenter seiner Generation kämpfte er für den Umweltschutz, und auch das Leinwand-Image des einsamen Scouts im Western "Jeremiah Johnson" schwingt mit in diesem bis auf einige Verzweiflungsrufe wortlosen Drama. Behutsamer Einsatz der Musik und unaufdringlicher Symbolismus öffnen sich politischen wie metaphysischen Lesarten: "Der alte Mann und das Meer", im Fahrwasser der globalisierter Transportwege.

(RP)
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