Nachfolge von Axel Kober und Demis Volpi Das neue Kreativteam der Rheinoper

Düsseldorf · Die Rheinoper hat drei Personalien verkündet: Vitali Alekseenok tritt die Nachfolge von Generalmusikdirektor Axel Kober an. Für das Ballett am Rhein wird es eine Doppelspitze mit Bridget Breiner und Raphaël Coumes-Marquet geben.

Bridget Breiner ist derzeit Ballettdirektorin in Karlsruhe.

Bridget Breiner ist derzeit Ballettdirektorin in Karlsruhe.

Foto: Ole Spata / dpa

Eine Rarität im deutschen Bühnenwesen: Ein Opernhaus muss in einer laufenden Intendanz zwei Chefposten auf einmal neubesetzen. Diese Notwendigkeit widerfuhr nun der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Sie muss zur Spielzeit 2024/25 für den scheidenden Generalmusikdirektor Axel Kober ebenso die Nachfolge ordnen wie für den nach Hamburg abwandernden Ballettdirektor Demis Volpi. Für Kober kommt Vitali Alekseenok (und zwar offiziell als „Chefdirigent“), für Volpi kommen Bridget Breiner und Raphaël Coumes-Marquet. Das wurde am Donnerstag in Duisburg bekannt gegeben.

 Vitali Alekseenok tritt die Nachfolge von Axel Kober an.

Vitali Alekseenok tritt die Nachfolge von Axel Kober an.

Foto: Elza Zherebchuk/DOR

Vitali Alekseenok macht momentan eine steile Karriere – vom Kapellmeister der Rheinoper zu ihrem Chefdirigenten. Alle im Haus, ob Sänger, Choristen, Orchestermitglieder, kennen ihn und sagen: Der ist eine großartige Wahl. Der 1991 in Belarus geborene Künstler hat in der kurzen Zeit seiner hiesigen Kapellmeistertätigkeit bereits viele Fans gefunden, und wer neulich den Ballett-Abend „Sacre“ im Düsseldorfer Haus besuchte, der geriet ins Staunen. Zunächst ließ der Dirigent die Symphoniker wunderbar durch Strawinskys Concerto in D tanzen, ohne diesem neoklassizistischen Geschmeide mit der Feile zu Leibe zu rücken. Den „Metamorphosen“ von Richard Strauss gewährte er dagegen bittersüßen Weltabschiedsschmerz.

Wer Alekseenok genau beobachtete, der erlebte einen schlagtechnisch enorm profilierten jungen Dirigenten. Seine linke Hand modellierte in schöner Freiheit Linien, ohne die Akribie eines Polizisten zu entwickeln, der den Verkehr auf einer unbeampelten Kreuzung in Mexiko-City leitet. Nein, Alekseenok ließ die Musiker spielen und verteilte nur selten Imperative. Wie gut geprobt der Abend indes war, das bemerkte man nach der Pause bei Strawinskys „Sacre“, den Alekseenok wie aus dem Handgelenk regelte – ruhig, besonnen, ohne Dampf.

Dass die Leitung der Rheinoper Alekseenok vertraut, zeigte sie neulich auch bei der Vorstellung des Programms für die Saison 2023/24. Der Musiker wird nicht nur die Premiere von Tschaikowskis „Eugen Onegin“ einstudieren, sondern auch die Uraufführung von Manfred Trojahns neuer Oper „Septembersonate“ betreuen. Beides sind absolute Chefstücke.

Bridget Breiner wird ab der Spielzeit 2024/ 2025 mit Raphaël Coumes-Marquet in einer sehr zeitgemäßen Doppelspitze die Direktion des Balletts am Rhein übernehmen. Breiner übernimmt dabei den Part der Chefchoreografin, Coumes-Marquet ist als Ballettdirektor fürs Organisatorische und Koordinative zuständig. Volpi (38) wechselt im Sommer 2024 zum Ballett Hamburg und tritt dort die Nachfolge von Ballett-Legende John Neumeier an. Die Verträge der beiden „Neuen“ sind auf fünf Jahre angelegt.

Breiner (49) ist derzeit Ballettdirektorin am Badischen Staatstheater in Karlsruhe. Ihr Vertrag dort läuft zum Ende der Spielzeit 2023/2024 aus. Ab der Spielzeit 2024/2025 wird die Choreografin, die schon vielfach für ihr erzählerisches Talent gelobt wurde, an der Rheinoper für die Kreativabteilung des Balletts verantwortlich zeichnen.

Einen Einblick in ihr Arbeiten lieferte sie bereits Ende März in Duisburg bei der Premiere „Shortcuts“ ab. Zu dem Ballettabend, bestehend aus fünf Stücken und einer Pausen-Performance, hatte sie die Uraufführung „North Country“ beigetragen. Zwei Tänzerinnen und zwei Tänzer zeigten zur Musik von Bob Dylan, Johnny Cash und Pete Seeger einen poetisch dahin plätschernden Bilderreigen.

Breiner war im Stuttgarter Ballett Ende der 1990er-Jahre eine gefeierte Solistin. Viele dramatische und klassische Hauptrollen gehören zu ihrem Repertoire. 2005 gab sie ihr Debüt als Choreografin beim renommierten Abend „Junge Choreografen“ in Stuttgart. Sie gilt als leidenschaftliche Erzählerin von Geschichten und greift oft zu klassischen Stoffen (Schiller, Shakespeare).

Raphaël Coumes-Marquet ist ein renommierter Tänzer mit großem klassischen Repertoire, Ballettmeister und Choreograf. Er stand auf vielen großen Bühnen weltweit, arbeitete im Team von David Dawson und als künstlerischer Koordinator der Spielstätte „Semper Zwei“ in Dresden. Breiner und Coumes-Marquet kennen sich gut – aus mehr als einem Pas de Deux: 2006 waren sie beide Solisten an der Semperoper, 2014 tanzten sie in Gelsenkirchen die Hauptrollen in „Giselle“. 

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