Rheinoper Düsseldorf/Duisburg mit vielen Neuproduktionen

Pläne der Rheinoper : Rheinoper hat erstmals eine Kapellmeisterin

Die Rheinoper bietet in der neuen Saison „La Bohème“, „Macbeth“ und viel Ballett.

Es kommt selten vor, dass ein Opernhaus mit seinem Gebäude mindestens so viele Schlagzeilen macht wie mit seinen Produktionen. Der Rheinoper gelingt das derzeit, und zwar mit beiden Spielstätten. Düsseldorf hat die Qual der Wahl, ob das Haus an der Heinrich-Heine-Allee generalsaniert oder abgerissen und am selben Platz oder anderswo neugebaut wird. In Duisburg ist der Sachverhalt weniger ergebnisoffen: Das Haus erlitt vor einem Monat einen Wasserschaden, bei dem sich 80.000 Liter aus der Sprinkleranlage ins Haus ergossen. Jetzt muss es trocknen.

Bei der Spielplankonferenz in Düsseldorf war eine gewisse Bitternis zu spüren, zumal „die Zuwachsraten der Duisburger Opern- und Ballettfreunde ganz beachtlich sind“, wie Generalintendant Christoph Meyer mitteilte. Im Ballett habe die Auslastung dort bei 96 Prozent gelegen – ein Traumwert. Es könne aber vielleicht schon im Juni mit eingeschränktem Spielbetrieb weitergehen. In Duisburg wird großartig improvisiert; die Versicherungsfrage ist übrigens noch nicht geklärt.

Die Zahlen aus der Buchhaltung sind konstant mit Tendenz ins Erfreuliche. Der Etat der vergangenen Spielzeit lag bei knapp fünfzig Millionen Euro, davon konnten fast zehn Millionen eingespielt werden. Das Personalbüro meldet: Kapellmeister Lukas Beikircher wird GMD in Innsbruck, für ihn kommt Marie Jacquot als erste Kapellmeisterin in der Geschichte der Rheinoper. Derzeit ist sie in Würzburg beschäftigt. In Düsseldorf hat sie bereits „Rigoletto“ dirigiert, mit großem Erfolg.

Im Opernfach eröffnet Düsseldorf mit „Geisterritter“, einer Produktion der Jungen Oper Rhein-Ruhr, nach dem Roman von Cornelia Funke Dieser Abend wird auch in Dortmund und Bonn zu sehen sein. Das erste große Stück ist eines, das noch nie an der Rheinoper im Programm stand: Saint-Saëns‘ „Samson et Dalila“. Das gilt auch für Bellinis Oper „I Puritani“, die in Düsseldorf kurz vor Weihnachten Premiere haben wird. Derweil ist in Duisburg eine Neuinszenierung von Puccinis „La Bohème“ geplant.

Generalmusikdirektor Axel Kober hat jüngst in Wien mit einem „Ring“ geglänzt, auch für die Zukunft sind dort Produktionen geplant, berichtete der Künstler gestern. In Düsseldorf nimmt sich der Vielseitige in der kommenden Saison einer Barockoper an: Händels „Alcina“, und zwar mit der Neuen Düsseldorfer Hofmusik auf historischen Instrumenten. Zum Ende der Spielzeit wird Kober die Neuinszenierung von Verdis „Macbeth“ leiten, die Michael Thalheimer verantwortet, dessen „Otello“ zu den besten Inszenierungen der Rheinoper in den vergangenen Jahren zählte.

Zuvor ist in Duisburg ein „Young Directors“-Abend zu erleben, der jungen Regisseuren eine Plattform bietet. Er kombiniert zwei gänzlich unterschiedliche Werke: „Der Triumph der Zeit“ von Händel sowie „Der Kaiser von Atlantis“ von Viktor Ullmann. Regie führen Esther Mertel und Ilaria Lanzino.

In jedem Fall bedeutet die kommende Spielzeit Abschied von Ballettchef Martin Schläpfer. Der stellt mit Ballettdirektor Remus Sucheana vier Abende auf die Beine, von b.41 bis b.44. Die Saison steht dabei im Zeichen wichtiger Eigenarbeiten (Schläpfer verabschiedet sich mit „Streichquartett“ nach Lutoslawski). Zugleich wird man Arbeiten bedeutender Choreografen erleben können, so von Jiri Kylian, Martha Graham, George Balanchine, Uwe Scholz, William Forsythe und Hans van Manen. Das finale Adieu steht in einer Festwoche unter dem Motto „b.ye“, die ausschließlich Schläpfer-Arbeiten vorbehalten ist.

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